Presse

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Drumfree
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Endersroom
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Christian Muthspiel's Yodel Group
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Amarcord Wien
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Wolfgang Muthspiel
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Muthspiel & Muthspiel
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Wolfgang Muthspiel Trio
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Wolfgang Muthspiel 4tet
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beefolk
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Duo Blade & Muthspiel
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GLOW
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Goodrick / Muthspiel
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Grigoryan Brothers
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Helgi Jonsson
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LOGOS
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MGT - Wolfgang Muthspiel, Slava Grigoryan & Ralph Towner
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Lisette Spinnler
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Triology & Muthspiel
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material records
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Esen Aydin
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Max Frankl
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Paolo Thorsen-Nagel
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beefolk

Bayern 4 Klassik

Diese bisher international noch kaum bekannte Gruppe ist eine echte Entdeckung: Sie zeigt zum einen, wie spannend die Verschmelzung von zeitgenössischem Jazz und Elementen diverser Folk-Musiken noch immer sein kann, und zum anderen, welch aufregendes Kreativitäts-Potenzial in jungen europäischen Jazzern steckt. "beefólk" nennt sich - in einem Kunstwort, das mit "Bienenvolk" übersetzt werden kann - dieses Sextett aus Graz, das jetzt beim von dem österreichischen Jazzgitarren-Virtuosen Wolfgang Muthspiel gegründeten Label material records die von ungemein lebendiger, geistreicher Musik geprägte CD "place dramatique" veröffentlicht hat. Eine CD zudem, die für Liebhaber unterschiedlichster Genres interessant sein dürfte.

Als "folk-jazziges Kammermusikorkestra" bezeichnet sich beefólk auch. Ausschließlich Eigenkompositionen spielt das Ensemble - dessen Durchschnittsalter 24 Jahre beträgt - auf dieser CD: durchweg anspruchsvolle, fein durchgearbeitete Stücke, die auf Folk-Einflüsse vom Balkan, aus Argentinien (Tango) und nicht zuletzt aus Island, von woher eines der Bandmitglieder stammt, zurückgreifen und sie mit klassischem Formbewusstsein, packenden Jazz-Improvisationen und manchmal fast rockig vorwärtspreschender Energie verbinden.

Schon die Instrumentierung hat eigenes Kolorit: Neben gängigen Jazz-Instrumenten wie Saxophon, Bassklarinette, Posaune, Kontrabass und Schlagzeug stechen auch immer wieder Geige, Mandoline, Mandola und nicht zuletzt ein Akkordeon hervor. Die stilistische Mischung von beefólks Musik spiegelt sich nicht zuletzt im bisherigen Werdegang der Band-Mitglieder. Drei Beispiele: Geiger Klemens Bittmann etwa hat in Graz ein klassisches Violinstudium abgeschlossen und zusätzlich in Paris bei dem Jazzgeiger Didier Lockwood studiert. Akkordeonist Christian Bakanic ist - neben einer klassischen Ausbildung - Diplom-Volksmusiker (Steirische Harmonika und Hackbrett) und verehrt die Tangos Astor Piazzollas sowie die möglichst vertrackten Rhythmen der Balkan-Folklore. Posaunist und Sänger Helgi Hrafn Jonsson stammt aus Reykjavik und kam als 19-Jähriger nach Graz, um dort an der Universität für Musik und darstellende Kunst zu studieren.

Die musikalische Arbeit dieses ungemein weltoffenen "Bienenvolks" überzeugt rundum. "Geballte Energie und jungen, frechen Spirit", wie ihr Kollege Wolfgang Muthspiel es nennt, hat diese Musik durchweg, und dass die Band nach einer Tournee in Holland und Belgien ein euphorisches Presse-Echo hatte, verwundert nicht. Neben Kompositions-Fleiß und wirbelnder Improvisations-Kraft hat die Band auch gelassenen Humor zu bieten - eines ihrer Stücke etwa kommentiert sie mit den Worten: "Eine Opera buffa in fünf Micro-Szenen - rage against the belcanto"; die Mini-Oper dauert fünfeinhalb Minuten und klingt zuweilen wie ein Heavy-Metal-Stück mit anderen Instrumenten.

Roland Spiegel

 

 

 

Musikalisches Weitwinkelobjektiv
Der Standard, 12. Oktober 2004

Leibnitz - Auch Niederlagen haben Ihre ertragreichen Seiten: Die Wahrnehmung von Beefólk beginnt für nicht wenige Journalisten beim "irrtümlichen" Sieg im Rahmen des "Austrian Young Lions"-Bandwettbewerbs anno 2002. Obwohl nur für Trios und Quartette ausgeschrieben, gelangten die sechs Jungjazzer aus Graz durch einen Organisationsfehler in die Wertung - um diese irritierend eindeutig für sich zu entscheiden.

Die nachträgliche Disqualifikation schmerzte, ließ in Grazer Jazzkreisen gar Verschwörungsgerüchte hochkochen - um in der Folge umso nachdrücklicher auf das Können jener Band aufmerksam zu machen. Die schon in der nicht eben alltäglichen Besetzung mit einer aus Saxophom, Posaune, Violine und Akkordeon bestehenden Frontlinie ihre einem stilistischen Weitwinkelobjektiv vergleichbare Ausrichtung verdeutlicht:
Beefólk pflegen weite Räume zu durchmessen: Buenos Aires, Reykjavik, Dublin, Sofia und das chinesische Yangshou sind nur einige der Bezugspunkte, die auf Place dramatique (Material Records/Edel), der aktuellen zweiten CD, aufscheinen. Doch nicht genug der geografischen Verweise, zeigen Beefólk zuweilen klassische kammermusikalische Raffinesse, um dann wieder das Rock-Tier aus dem Käfig zu lassen.

Dass diese Stiloffenheit nicht ins beliebige Nirgendwo führt, verdanken das Sextett dem ausgeprägten Willen zur formalen Gestaltung. Die Beefólker zeigen Ambition, ihre musikalischen Energien in mitunter komplexen Formen zu fassen, Kontrastreich und detailfreudig auskomponierte, vielfärbig leuchtende Klanglandschaften ziehen hier am entzückten Ohr vorüber, akustische Choreografien, in denen die Improviasation mitunter gar peripher wirkt.

"Anna" ist jene verrückte wie virtuose "Opera buffa in fünf Mikroszenen" überschrieben, in denen sich der musikalische Kosmos von Beefólk wohl am komprimiertesten zeigt: Fünfeinhalb Minuten als Tour der Force der musikalischen Aggregatzustände, von Violin-Kantilenen über folkigen Punk-Rock-Drive zu halsbrecherischen Unisono-Linien, wobei Helgi Hrafn Jónssons ekstatische Stimme zuweilen an einen Bruder Björks denken lässt.

Wolfgang Muthspiel attestierte den sechs Mannen den "Live-Appeal einer Rock-Band" und brachte Place dramatique als erste Produktion ohne seine Mitwirkung auf seinem Label heruas. Nach dem Gastspiel im Wiener Porgy & Bess steht heute die gemeinsame Eröffnung des Jazzfestivals Leibnitz an. Am Freitag bricht Beefólk nach Hongkong auf. Anzunehmen, dass die Youngsters nicht zum letzen Mal abheben ...

Andreas Felber