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beloved

Rheinische Post (5. März 2007)

ZWEI JAZZER, INNIG VEREINT

Seit langem sind sie ein Duo der S-Klasse: Die norwegische Sängerin Rebekka Bakken und der österreichische Gitarrist Wolfgang Muthspiel traten in der Stadtsparkasse auf. Sie boten eine sehr persönliche Liederauswahl.

"Große Stimmen" mit diesem Schlagwort wirbt die Plattenfirma für die neuen CDs von Diana Krall, Randy Crawford, Madeleine Peyroux und Rebekka Bakken. Dass dies im Fall Rebekka Bakkens keine leere Versprechung ist, davon konnte sich das Publikum beim Konzert im "S-Klasse-Club" der Stadtsparkasse an der der Berliner Allee überzeugen.

Die Norwegerin ist eine der wenigen Sängerinnen zwischen Jazz und Pop, deren Stimme man schon beim ersten Ton erkennt " auch wenn man den Song noch nie gehört hat. Von einigen ihrer skandinavischen Kolleginnen, die zwar sauber intonieren und nett klingen, hebt sie sich durch die Intensität ihres Vortrags ab. Ihre Stimme kann schmeicheln und jubilieren, und sie kann eine unerbittliche Härte annehmen. Rebekka Bakken wagt es, in ihrer Musik bedingungslos zu lieben und abgrundtief zu resignieren. Sie singt die Songs nicht nur " sie durchlebt sie.

Bevor Bakken mit ihren Alben "The Art of how to fall" (2003), "Is That You?" (2005) und "I Keep My Cool" (2006) ihre ganz großen Erfolge feiern konnte, arbeitete sie im Duo mit dem österreichischen Star-Gitarristen Wolfgang Muthspiel zusammen, der 2003 zum "European Jazzmusician of the Year" gewählt wurde. Dieses Duo wurde jetzt für zwei besondere Konzerte wiederbelebt. "Wir spielen nicht oft zusammen", sagt Bakken, "aber wenn wir es tun, dann feiern wir es." So hatte man in Düsseldorf den Eindruck, dass es den beiden nicht so sehr um Show ging, nicht um die große Geste, sondern um den puren Song. An die Stelle des Glamours trat innige Aufrichtigkeit. Mit Sorgfalt begleite Muthspiels Gitarre die Sängerin, wobei die Offenheit des Duos der klaren und äußert kontrollierten Stimme Raum gab, sich frei zu entfalten, ohne sich im Dickicht anderer Instrumente zu verfangen.

Muthspiel nennt das "mit der Gitarre Türen öffnen" Bewegungsfreiheit, von der auch er profitiert, wenn er sich mit Hilfe von Loops beim Solo selbst begleitet. Die Gitarre ersetzt hier eine ganze Band und den Bass sowieso.

Die heterogene und sehr persönliche Auswahl von Songs wie Peter Gabriels "Don't Give Up", Billy Joels "She's Always A Woman", Leonard Cohens "Take This Waltz" sowie Traditionals und eigenen Stücken, die der Singer-Songwriter-Tradition näher stehen als dem Jazz, zeigte, wie nah norwegische Folklore und Gospels beieinander liegen, wenn man sie sich nur selbstbewusst zu eigen macht.

Rebekka Bakken weiß, was sie kann. Wenn ihr eine verwegene Tonbeugung gelungen ist, lacht sie, als wollte sie sagen: "Gut gemacht, oder?" Dass sie zweimal aus der Form fliegt, berührt sie nicht im Mindesten, gemäß dem Titel neuen CD "I Keep My Cool". Hier bestätigt sich wieder: Man kann auch mal etwas falsch machen, wenn man es nur richtig macht.

Bakken & Muthspiel - Liebe
Süddeutsche Zeitung, 17.02.2002


Tuck & Patti, das war einst die musikalische Umsetzung seligen Miteinanders, der Beweis, dass sich dem Ehe-Alltag auch Musik entlocken ließ. Leider währte das Glück nicht allzu lange: Mit zunehmendem Alter führte bei dem Paar nicht mehr das Können Regie, sondern die Ideologie; die beiden veröffentlichten endlos Variationen des immer gleichen Hohen Liedes: Aber die Liebe währet ewiglich.
Unsere nicht. Wir sind sprunghaft und widerspenstig, gerne auch neurotisch, weshalb wir uns eher mit dem norwegisch-österreichischem Duo Rebekka Bakken und Wolfgang Muthspiel anfreunden, die ihrer neuesten Veröffentlichung "Beloved" ganz anderen Leitbildern von Familie und Ehe folgen. Nur wenige Worte werden da gebraucht, aller Illusion von Glückseligkeit entkleidet, Zeilen, in denen die Grautöne des Miteinanderes aufscheinen, und nichts ins flasche Licht einer angeblich Wahrhaftigkeit getaucht wird. In allem waltet eine Zerrissenheit, in der auch wir heimisch sind, nicht gemildert durch die Musik. Bakken, die ihrer weichen und klaren Stimme mädchenhaft-naive ebenso wie aggressive Untertöne verleihen kann, und Muthspiel, der mit seiner Gitarre eine ebenso karge wie klangmächtige Begleitung gefunden hat – ihr "Beloved" ist eine eindrückliche Erkundung der Liebe geworden.

Gabriel Fehrenbach
 

 

Die zweite Haut einer Stimme
Packendes Duo: Rebekka Bakken und Wolfgang Muthspiel auf Songwriter-Kurs


Eine spannende Begegnung mit den Eckpunkten Oslo, Wien und New York. In ihrer amerikanischen Wahlheimat liefen sich die norwegische Sängerin Rebekka Bakken und der österreichische Gitarrist Wolfgang Muthspiel vor ein paar Jahren über den Weg – und wurden ein Song-Duo, das sich locker weltoffen über die Sparten hinweg bewegt. Lauter lyrische Glanzstücke zwischen Jazz und klassichem Singer-Singwriter-Stil sind auf ihrer jüngsten CD zu finden ("Beloved", material records MRE 004-2), auf der sie im Unterschied zu ihrem Debüt-Album "Daily Mirror" auf weitere Musiker verzichtet haben.
Und das macht die Sache besonders reizvoll. Ganz intime Dialoge sind die Stücke (meist Eigenkompositionen) geworden, und wenn der Titel der CD als zärtliche Brief-Anrede zu verstehen ist, dann sind die Lieder die entsprechenden Botschaften dazu. Sie klingen wunderbar. Vor allem, wenn Rebekka Bakken ihre Stärke ausspielt: Die Sängerin hat mehr eine Folk- als eine Jazzstimme und beherrscht es, in weichen, geschmeidig gesungenen Melismen und beiläufigen Zwischentönen Stimmungen ungemein farbig schillern zu lassen – und vom Sanften auch mal ins Wild-Expressive umzuschlagen. Da wird dann ein norwegisches Volkslied aus dem 18. Jahrhundert zum packenden Hör-Drama.
Wolfgang Muthspiel stellt sich als Traumpartner der Sängerin heraus. Der Spross aus einer hochaktiven österreichischen Musikerfamilie (auch sein Bruder Christian, Posaunist und Pianist, ist international bekannt) beherrscht alles vom klassischen Gitarrenspiel bis zum Blues-, Rock- und aktuellen Jazz-Idiom hochvirtuos. Rebekka Bakkens Gesang umgibt er mit Begleitungen, die sich wie eine zweite Haut um die Stimme schmiegen. Für einige Improvisations-Ausflüge ist trotzdem Platz.
Besonders schöne Melodien hat Muthspiel für diese CD geschrieben, und auch die eingängigsten enden nicht in Einschmeichel-Pop.
Eine Platte für viele Arten von Musikfans: Jazz-Liebhaber, Songwriter-Verehrer und Gitarren-Freaks.
Und wer DJ-Ästhetik mag, kann die erste CD des Duos auch als Remix-Version haben ("Daily Mirror reflected", MRE 002-2). Ein Duo, das für die Kunst steht, in der Vielfalt nicht flach zu werden.

Roland Spiegel
5./6. 10. 2002

Pop oder Jazz? Ganz egal.
Profil, 21.10.2002


Wolfgang Muthspiel, 37, ist einer der großen österreichischen Musiker der Gegenwart. Das hat er, so läuft das nun mal, lange im Ausland unter Beweis stellen müssen. Rund 15 Jahre lebte Muthspiel (übrigens der Bruder des hoch dekorierten Komponisten und Posaunisten Christian) in den USA, verfeinerte seine Gitarrentechnik an der Seite von Jazz-Koryphäen wie Gary Burton oder Paul Motian und lernte in New York die norwegische Sängerin Rebekka Bakken kennen und lieben. Seit einem halben Jahr leben die beiden in Wien und legen nun mit "beloved" ihr erstes Duo-Album vor. Es ist ein sehr stilles und unprätentiöses Album, so still, dass man oft gar nicht weiß, ob eine Nummer schon zu Ende ist oder nur kurz Pause macht – und so unprätentiös, dass man eine Zeit lang braucht, um sich zu vergewissern, wie viel Fragilität, aber auch wie viel Kraft die Interaktion von Stimme und Gitarre freisetzen kann. Bakken singt hell, klar und eindringlich, und Musik schmiegt seine Gitarre wie einen vielfältig schimmernden Pelz um diese Stimme. Pop oder Jazz? Egal. Eine wunderbare Platte.

S. G.

Rebekka räumt ab Klangreisen durchs Gemüt:
Die Leipziger Jazztage
Frankfurter Allgemeine, 02.10.2002


….Die Schöne der Nacht und größte Entdeckung des Festivals war Rebekka Bakken. Die norwegische Sängerin hat mit ihrem Partner, dem österreichischen Gitarristen Wolfgang Muthspiel, ein neuartiges Vokalspektakel entwickelt, eine absolut eigenständig europäische Antwort auf das amerikansiche Duo "Tuck and Patti". Die bis unter die Haarspitzen erotische Frau kann in der Höhe ihrer Dreioktavenstimme scharf und laut werden, erinnert unvermittelt an die Rezitativ-und-Arie-Kultur der italienischen Oper und lässt sich ofi auf ein frei improvisiertes Parlando mit ungewissem Ausgang ein, in dem Muthspiel den kollektiven Austausch mit ad hoc erzeugten Loops anschärft. Der Höhepunkt in dieser einmaligen Duo-Inszenierung war ein Eifersuchtsdrama von ohnmächtiger Wut und rachelüsternen Bestrafungsvisionen – eine Salome des Nordens.

Ulrich Olshause