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Bakken & Muthspiel - daily mirror

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Neu, originell, intelligent und sinnlich: die Norwegerin Rebekka Bakken und Gitarrist Wolfgang Muthspiel erkunden gemeinsam ungehörtes Gelände zwischen zeitgenössischem Jazz und melodischem Folkrock. Daily Mirror ist eine abenteuerliche Symbiose zweier Musiker, die ihre vielschichtigen Erfahrungen und ihre musikalische Vorstellungskraft zusammengetan haben, um eine fantastische Fusion aus zwei Stilen zu erschaffen – ohne die Essenzen anzutasten, ohne etwas zu verfälschen, und doch: mit einer vollkommen neuartigen Ausstrahlung.
Die in Oslo geborene Sängerin ging nach New York und arbeitete dort in eigenen Bands. Über ein Drittel derunorthodoxen Kompositionen stammen aus dem inzwischen sehr umfangreichen Repertoire der Songschreiberin. Auch die anderen Mitspieler leben in New York, unter anderen Scott Coley (Bass) und der junge Brian Blade am Schlagzeug. Zusammen mit dem österreichischen Jazzmusiker Wolfgang Muthspiel erarbeitete Rebekka Bakken ein neues Konzept im Umfeld der formalen Direktheit eines Popsongs und der Raffinesse und Subtilität einer modernen Jazzband.

Die anspruchsvollen Texte wandeln zwischen intellektueller Komplexität und griffiger, zupackender Bildsprache. Rebekka Bakkens facettenreiche Stimme tut ein Übriges: mit angekratzter Mittellage und butterweichem Piano zaubert sie hinreißende Farbkontraste und spannungsreiche Dynamik. Improvisiert wird wenig, alles zielt auf Arrangement, auf das Liedhafte in den organischen Mehrteilern: darin steckt viel Arbeit und ebensoviel Liebe. Die exotische Mischung aus Harmonie und Dissonanz mutet zuweilen experimentell an oder abstrakt, um den Hörer jedoch sogleich wieder mit vertraut Vertraulichem zu umschmeicheln. Es ist sehr schwer zu beschreiben, was man auf Daily Mirror nun letztendlich hört, weil es nichts gibt, mit dem man es vergleichen könnte.

Katharina Lohmann

KLASSIK HEUTE 3/2001

Man kennt Wolfgang Muthspiel als unkonventionellen Musiker. Reflektierter als viele seiner Kollegen gibt der österreichische Gitarrist der Abstraktion einen Klang, bearbeitet sie gemeinsam mit seinem Bruder Christian oder auch im Vienna Art Orchester zur kompakten Grundlage modern gestalteter Improvisation. Darüber hinaus baut er seit zwei Jahren ein Projekt mit der norwegischen Sängerin Rebekka Bakken auf, das sich auf durchaus geläufige Interpretationsmuster stützt, sie jedoch mit berauschender Selbstverständlichkeit umsetzt.
DAILY MIRROR klingt dabei wie das lang erwartete Comeback-Album von Joni Mitchell, ohne die renommierte Jazzvokalistin zu kopieren. Gemeinsam mit dem Saxophonisten Chris Cheek, Scott Coley am Bass und Brian Blade am Schlagzeug schaffen Bakken und Muthspiel eine Atmosphäre musikalischer Intimität, die über elf Songs hinweg Spannung bedeutet. Der direkte, klare Klang trifft auf hervorragend gewichtete Arrangements, deren Raffinesse in der Reduktion und den akzentuierenden Details liegt. DAILY MIRROR ist ein Glücksgriff.

ALLTÄGLICHE BEFINDLICHKEITEN
Wolfgang Muthspiel und Rebekka Bakken im Interview mit Stefan Wagner

Mit seiner neuen CD "Daily Mirror" betritt der Gitarrist Wolfgang Muthspiel musikalisches Neuland. Zum ersten Mal stehen "Songs" im Mittelpunkt, Lieder, die eher an Folk, fallweise auch an Pop denn an Jazz erinnern. Der in New York lebende Steirer hat sich damit einen schon länger gehegten Wunsch erfüllt. Stefan Wagner sprach für die "Jazz Zeit" mit Wolfgang Muthspiel und der Sängerin Rebekka Bakken. "Es hat mich immer interessiert, Songs zu schreiben und diese auch aufzuführen, nur bin ich ein ganz schlechter Sänger. Wenn ich das besser könnte, hätte es solche Songs schon wesentlich früher gegeben. Ich stehe auch auf viele Künstler aus diesem Bereich: Beatles, Björk, Tori Amos, Prince usw.", meint Wolfgang Muthspiel und erzählt im nächsten Atemzug von zahlreichen Bändern mit eigenen Songs, die bei ihm schon lange herumliegen und die er wenn, dann wirklich nur ganz guten Freunden vorspielt, weil ihm das ja eigentlich peinlich sei. Aber jetzt, da er die Stimme seiner Lebensgefährtin Rebekka Bakken 'zur Verfügung habe', könne er sich endlich diesem Metier widmen, könne mit der Songform experimentieren und seine Erfahrungen in diesem Bereich weiter ausbauen. "Beim Komponieren von Songs herrschen natürlich andere Gesetze als beim Schreiben für eine Instrumental-Jazzband. Aber das Arbeiten mit diesen formalen Einschränkungen, die eine Songform und natürlich auch die Texte mit sich bringen, hat mich immer schon fasziniert." Autor der Songtexte: Bernd Hagg Apropos Texte: diese stammen von dem aus Graz stammenden Bernd Hagg. Bernd Hagg arbeitet auch mit Wolfgangs Bruder Christian sowie mit Willi Resetarits und dem Klangforum Wien zusammen und schreibt außerdem derzeit an seinem ersten Roman. Wolfgang Muthspiel und Bernd Hagg kennen einander seit ihrer Kindheit: "Wir sind sozusagen miteinander aufgewachsen. Es ist ein absoluter Glücksfall, jemanden gut zu kennen, dessen sprachlicher Eleganz und Kompetenz man sehr vertraut. Seine Texte spiegeln alltägliche Befindlichkeiten wieder, deswegen haben wir auch das Bett, diesen täglichen Spiegel der inneren Welt, als Covermotiv gewählt." Diese Wiedergabe der alltäglichen Befindlichkeit hat auch für Rebekka Bakken, die drei Songs auf dem Album selbst geschrieben hat, die Sache sehr spannend gemacht. Sie interpretiert die Lieder zumeist mit einer zierlichen, manchmal fast zerbrechlich wirkenden Stimme, die aber in den Mittellagen auch rund und voll werden kann, und so Möglichkeiten der klanglichen Nuancierung bekommt. "Manchmal denke ich mir schon, dass viele Dinge in den Texten von Bernd Hagg mit mir sehr viel zu tun haben, und ich nehme auch einiges sehr persönlich. Ich kann mir genau ausmalen, wie die Charaktere in den einzelnen Songs aussehen, beispielsweise die Person der Mia, die in 'Nowhere' von Neonlichtern geblendet mit Gefühlskollisionen zu kämpfen hat und ihr Leben mit einem Fernsehprogramm vergleicht. Ich finde mich in diesen Charakteren wieder, und das ist sehr interessant für mich, weil ich glaube, dass jeder Hörer seinen Weg finden kann, an diesem Hörfilm teilzuhaben." Rund und ausgewogen durch jazzigen Touch Trotz des folk-poppigen Charakters des Albums "Daily Mirror" legt Wolfgang Muthspiel viel Wert auf den jazzigen Touch des Musik. Ein erster Versuch, die Songs alleine im Heimstudio, ohne weitere Jazzmusiker, aufzunehmen, sei nicht befriedigend verlaufen, so der Gitarrist. Erst die Art, wie Saxophonist Chris Cheek, Schlagzeuger Brian Blade und Bassist Scott Colley mit dem Material umgegangen seien, hätte die Sache zu einem runden und ausgewogenen Ganzen werden lassen.
"Die musikalische Umgebung, die ein Jazzmusiker erzeugt, gibt solchen Songs einfach noch einen anderen Touch und ein Leben im Detail, das ich zumindest mit meiner vorher selbst programmierten und aufgenommenen Variante überhaupt nicht erreichen konnte, vor allem rhythmisch. Das heißt aber nicht, dass Musiker aus dem Popbereich die Songs nicht auch spielen hätten können, aber der Jazz ist meine eigentliche Sprache, das sind Musiker, mit denen ich schon länger eine Beziehung habe." "Chris Cheek kenne ich schon ewig, er ist ein ganz wichtiger Bestandteil von 'Daily Mirror' geworden, zumal es eine sehr heikle Situation ist, wenn ein Saxophonist eine Sängerin begleitet. Da geht es darum, die Sängerin so zu umspielen, dass man sie nicht nervt, dabei aber trotzdem das Improvisatorische in den Vordergrund zu stellen. Die beiden arbeiten da in einem ziemlich feinen Bereich. Andererseits ist der Solospielraum für die Musiker nicht sehr groß, es geht wirklich darum, einfach sparsam die Songs zu spielen. Bis jetzt hat das bei der Aufnahme und den Konzerten immer sehr gut funktioniert." Die Freiheit des stilistischen Neuanfangs Für den jazzigen Charakter der Platte sorgt auch Wolfgang Muthspiel selbst: In seinem Gitarrenspiel, in der Art, wie er die wohltuend bekannt klingenden Grundharmonien auf eine sensible Art elegant und variantenreich umspielt, ist sein Personalstil unverkennbar, eine Unterscheidbarkeit mittlerweile über musikstilistische Grenzen hinweg. Im Gegenzug dazu nimmt sich der Gitarrist, wie er sagt, "die Freiheit, mit jedem Projekt stilistisch neu anzufangen, obwohl das auf den Markt bezogen keine besonders gute Eigenschaft ist".
Das eigene Label: "Material Records" Der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit von eben diesem Markt hat Wolfgang Muthspiel auch dazu bewogen, ein eigenes Label zu gründen. "Daily Mirror" ist die erste Produktion, die auf seinem neuen Label "Material Records" erschienen ist. "Wir waren zwar mit einer Plattenfirma für dieses Album im Gespräch, auch das Studio war schon gebucht, aber ein paar Wochen vor der Aufnahme ist die Firma wieder abgesprungen, weil ihnen das Vorhaben zu umfangreich und zu teuer wurde."
"Ich hatte schon länger den Plan, ein eigenes Label zu gründen, dieser Vorfall war nun sozusagen die Initialzündung. Und ich habe es schätzen gelernt, alle Parameter einer Produktion, vom Anfang bis zum Ende bestimmen zu können. Das ist für mich ein großer Wert. Ich bin gerade dabei, eine weltweite Vertriebstruktur aufzubauen, ich habe auch schon weitere Projekte, die auf 'Material Records' erscheinen sollen: Eines mit dem Bassisten Marc Johnson, wo wir Fragmente aus dem klassischen Bereich als Basis für Improvisationen nehmen, sowie ein weiteres mit dem Schlagzeuger Steve Arguelles und dem Titel 'Gold Standard', da geht es um die Bearbeitung von Jazzstandards mittels Electronic Beats und Verfremdungen. Auch ein Album, das ich mit meinem Bruder mache, wird möglicherweise auf 'Material Records' erscheinen. Ich schließe auch nicht aus, Projekte anderer Musiker auf diesem Label zu veröffentlichen." Wolfgang Muthspiel live Im Juni ist Wolfgang Muthspiel wieder in Österreich. Gemeinsam mit dem "Concert Jazz Orchestra Vienna" tritt er am 15. Juni im Wiener Konzerthaus auf.

lion.cc

 

 

GESANG MIT LEIDENSCHAFT
Das Konzert der Band Daily Mirror - ein Ereignis
Süddeutsche Zeitung, 28.03.2001

Schon lange nicht mehr konnte man in München eine Sängerin wie Rebekka Bakken hören, die derart souverän mit der gesamten Bandbreite musikalischer Ausdruckskraft umzugehen vermag.
Die junge Norwegerin schaffte es im Bayerischen Hof, ihre Lieder nicht nur vorzutragen, sondern darzustellen, in aller Natürlichkeit und Professionalität zugleich. Song für Song wechselt
Sie die Charaktere, gestaltete Stimmungen aus der Logik des Textes, der Musik und ihrer Person heraus. Bakken inszeniert Dialoge, erzählte Geschichten, spielte mit den Möglichkeiten der Stimmfächer von der Belcanto-Einlage bis zum bitterschweren Blues der enttäuschten Leidenschaft. Was bei anderen zuweilen affektiert wird, entwickelte sich bei ihr zur Selbstverständlichkeit des künstlerischen Ausdrucks.
Jedes Detail hatte seinen Sinn, fügte sich in den Zusammenhang des Projektes ein, wirkte zwangsläufig und bedeutungssicher. Denn Bakken war in ein hervorragendes Quintett um den österreichischen Gitarristen Wolfgang Muthspiel und den amerikanischen Saxophonisten Chris Cheek eingebunden, das vorbildlich uneitel und und perfekt arrangiert die Skandinavierin rahmte.
Und sie hatte außerdem erstaunlich eigenwillige Songs zur Interpretation zur Verfügung, die mal von schrägen Figuren des urbanen Alltags, mal von wütenden Gefühlen der enttäuschten Liebe erzählten und dafür überraschende stilistische Wendungen parat hatten. Ein betörendes, in jeder Hinsicht überzeugendes Konzert. Respekt!

Ralf Dombrowski

LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK
Tages-Anzeiger, 15.12.2000

Noch kennt sie niemand, die norwegische Sängerin Rebekka Bakken, die am Mittwoch im "Moods" auftrat. Eigentlich schade.

Gute Popmusik ist, wenn man alles kennt und doch immer wieder überrascht wird. Die 30-jährige Sängerin Rebekka Bakken ist eine hervorragende Pop-Sängerin, auch wenn sie hier zu Lande noch völlig unbekannt ist.
Das rührt allerdings nicht bloss daher, dass ihre erste CD "Daily Mirror" (Material Records) grad erst vor kurzem erschienen ist und ihr Konzert im "Moods" ihr erster Auftritt in der Schweiz war. Rebekka Bakken und der Gitarrist Wolfgang Muthspiel, der die Musik für die meisten ihrer Songs geschrieben hat und auch sonst für die Musik zuständig ist, haben musikalische Ansprüche; und das ist bekanntlich nicht grad gut fürs Geschäft.
Ungewohnte Alltagsgeschichten
Die Songtexte, viele von ihnen vom österreichischen Lyriker Bernd Hagg, erzählen kleine Storys; kaum je geht es um die grossen Gefühlslagen, um Herz und Schmerz, Liebe und Triebe. Es sind Alltagsgeschichten, aber solche mit kleinen Rissen und Ritzen, in denen das Ungewohnte hockt und wartet, bis es jemandem zu denken gibt. Wolfgang Muthspiel, der 35-jährige, in New York lebende Österreicher, der in der Schweiz vor allem durch seine Auftritte mit dem Vienna Art Orchestra oder im Duo mit seinem Bruder, dem Posaunisten Christian Muthspiel bekannt geworden ist, aber Anfang der 90er-Jahre auch mit Gary Burton gearbeitet und eine Reihe eigener Einspielungen gemacht hat, er hat für diese Songs hervorragende Musik geschrieben. Scheinbar einfach und leicht, zwischen Folk und Folkjazz, zuweilen auch chansonhaft, meist luftig und zart, dazwischen auch mal etwas rockiger, man kennt den Ton, die Stimmung, die Farben und ist doch immer wieder überrascht über das raffinierte Handwerk, die berührenden Melodien ebenso wie die ausgeklügelten Arrangements.
Nie nur leere Dekoration
Vielleicht liegt das auch daran, dass Muthspiel, der Saxofonist Chris Cheek, der Bassist Mat Penman und der Schlagzeuger Ari Hoenig ausgezeichnete und sonst in ganz anderer Umgebung praktizierende Jazzmusiker sind. Sie haben eine starke Präsenz, auch wenn sie sich völlig zurücknehmen, selbst als blosse Begleiter spielen sie immer lebendige Musik und nie leere Dekoration, das heisst, sie kommunizieren untereinander; und in den kurzen Soli gibt es tatsächlich etwas zu hören, wird nicht bloss simuliert und supponiert.
Und natürlich Rebekka Bakken: Die Norwegerin, die ebenfalls seit Jahren in New York lebt und arbeitet, hat eine schöne, aussergewöhnliche reine, modulationsfähige Stimme, die man schnell zu kennen glaubt und die dann doch immer wieder andere, neue Facetten zeigt, wenn sie plötzlich warm wird, wenn die jungmädchenhafte Naivität sich als doppelter Boden erweist, wenn sie schnell einmal ein bisschen wie eine Rockröhre loslegt. Sie nimmt einen nicht sogleich gefangen, ihre Ausstrahlung breitet sich langsam aus, der Zauber beginnt erst allmählich zu wirken. Aber das ist schon fast etwas zu viel verlangt in Zeiten, wo die meisten Sternchen schon verglühen, noch bevor sie richtig angefangen haben zu leuchten.

CHRISTIAN RENTSCH