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duo blade & muthspiel

Süddeutsche Zeitung

Freigeist und Sensibler

Wolfgang Muthspiel und Brian Blade in der Unterfahrt

Was man sich insgeheim erhofft hatte, der Auftritt von Wolfgang Muthspiel und Brian Blade in der Unterfahrt löste es ein: eine Art Standortbestimmung, was Jazz in Zeiten der Auflösung seiner Begrifflichkeit sein kann; ein Beispiel dafür, wie die oft ins Beliebige driftende weltmusikalische Auffächerung zu einem individuellen Ziel geführt werden kann; und nicht zuletzt Anschauungsunterricht, was modernes Schlagzeug nach all den Kraftmeiern oder Soundtüftlern und was die Jazzgitarre nach Metheny und Scofield leisten kann.

Schon beim Einstieg mit „Between The Beats“ erschufen beide aus der tonalen Ursuppe erst ein wogendes, lyrisches Meer der Impressionen, dann ein persönliches Ebenbild des Blues. Das war das Basislager für Ausflüge in die verschiedensten Regionen, von Westafrika (mit „Youssou“, Muthspiels Hommage an den Freund Youssou N’Dour) über Nordeuropa (mit dem spröden und melancholischen „Vallekilde“, einer Erinnerung an den dänischen Ort, an dem beide sich als Workshop-Lehrer kennen lernten) bis nach Südamerika. Am beeindruckendsten war dabei, wie virtuos die Absage an die Virtuosität formuliert wurde. Alles stand im Dienste der Melodie und des Klangs, und innerhalb dieses Rasters bekam jedes Detail Sinn. Das reichte von der zartesten Singlenote bis zu bombastischen, mehrstimmigen, fast orchestralen Gebilden, die Muthspiel mit einer Loop-Technik auftürmte, wie sie derzeit nur er beherrscht. Bei Blade ist das Herausragende die Fragmentierung des Swings, die Mini-Explosionen und federnden Off-Beats, die einen äußerst eigenwilligen Groove erzeugen.

Warum sich Blade und Muthspiel so gut verstehen, wurde vor allem in den beiden Gitarrenduetten deutlich. Blade komponiert ja auf der Gitarre, und er erwies sich an diesem Instrument als Romantiker von Shearing’schen Graden. Mit seinen fast süßlich lyrischen, in den Pop verweisenden Epen traf er den Kollegen offensichtlich ins Herz. Muthspiel, der Freigeist, und Blade, der romantischen Sensible – das war an diesem Abend eine bezwingende Kombination.

von Oliver Hochkeppel

Jazzthetik, Februar 2007

Das totale Team

Musik kann so schön sein. Wolfgang Muthspiel und Brian Blade sind sanfte Ritter im Dienst einer unverstellten, bedingungslosen Schönheit. Auf ihrem ersten gemeinsamen Duo-Album finden sie eine Klangsprache, die so bunt und abwechslungsreich ist wie die Steine und Lichtbrechungen in einem Gebirgsbach. Die Musik plätschert leicht und fröhlich, ohne seicht oder gefällig zu sein.

Von Wolfgang Kampmann

Manche musikalische Partnerschaften sind so stimmig und ausgewogen, dass man sich fragt, warum sie überhaupt erst so spät zustande kamen. Der österreichische Gitarrist Wolfgang Muthspiel und der amerikanische Schlagzeuger Brian Blade treffen nicht zum ersten Mal aufeinander, doch auf ihrer ersten gemeinsamen Duo-CD Friendly Travelers erzeugen sie auch ohne die feindliche Spannung gegenseitiger Spielhaltungen Spannung.

Wer Friendly Travelers in Koordinatensysteme von leicht und schwer, simple und komplex, Jazz und Folk einordnen wollte, käme leicht in Schwierigkeiten. Er ist ein Jazzalbum, denn beide Musiker improvisieren – und es ist kein Jazzalbum, denn es klingt nicht nach Jazz. Beide Musiker sind in vielen Kontexten zu Hause, aber nur miteinander finden sie offenbar diese gelöste Heiterkeit, die sich auf dieser CD vom ersten bis zum letzten Ton offenbart. Zwei Musiker, die füreinander geschaffen sind. „Wolfgang und ich trafen uns irgendwann Mitte der Neunziger in Dänemark“ erinnert sich Brian Blade. „Wir waren beide Lehrer, wobei er wirklich lehrte und ich viel mehr lernte als lehrte. Zu unserem Kollektiv gehörten auch Django Bates, Trilok Gurtu und ein paar andere. Die Studenten selbst waren eher wie Lehrer für uns, dann sie alle waren großartige Musiker. In dieser Situation begann unsere besondere Beziehung. Seitdem haben wir in verschiedenen Besetzungen immer wieder miteinander gespielt. In all diesen Konstellationen konnten wir ein Verhältnis aufbauen, das nicht viele Worte erforderlich machte. Natürlich hatten wir uns stets viel zu erzählen, aber musikalisch konnten wir einfach loslegen, ohne ein einziges Wort zu verlieren. Dem liegt wahrscheinlich ein spezielles Verhältnis von Wissen, Gefühl und Vertrauen zugrunde. Eine solche Beziehung ist ein seltenes Geschenk, das man nicht mit jedem Musiker voraussetzen kann. Als wir mit dem Duo-Album begannen, war das wie eine Rückkehr zu unseren Anfängen. Einfach nur wir beide zusammen.“

Wolfgang Muthspiel spinnt den Faden der Erinnerung weiter. „Brian hatte eine Serie bei JazzBaltica als Artist in Residence bekommen. In diesem Zusammenhang fragte er mich, ob wir etwas gemeinsam machen wollten. Zuletzt hatten wir im Trio mit Marc Johnson gespielt. Ein derartiges Trio wäre also wieder nahe liegend gewesen. Marc hatte aber keine Zeit. Wir dachten noch über Chris Cheek nach, entschlossen uns dann aber zum Duo, weil wir mal sehen wollten, welche Essenz davon bleibt. Es war ein Experiment, das live gut aufging. Wir fanden aber, dass da mehr drinsteckt. Deshalb nahmen wir es auf und machten ein richtiges Projekt daraus. Es ist ein kleines, aber totales Team. Auf sehr angenehme Weise schraubt jeder an seinem Ding herum, bis es beide befriedigt. Es gibt keinen Druck, dass jemand etwas freigeben müsste, weil es dem anderen gefällt.“

Schlaggitarre

Von Brian Blade war seit seinen beiden grandiosen Alben Ende der Neunziger nichts mehr unter eigener Federführung zu hören. Muthspiel war da in den letzten Jahren ungleich präsenter. Vor allem mit seiner letzten Trio-CD Bright Side erspielte er sich eine Unaufgeregtheit und Leichtigkeit, die ihm eine Mittelstellung zwischen Jazztradition und Alpenfolklore einbrachte. Obwohl die Friendly Travelers ein ganz neues Projekt sind, setzen sie doch Muthspiels jüngst eingeschlagenen Weg auf logische Weise fort. „Die Duo-Platte ist meiner letzten Trio-Platte sehr verwandt“, bestätigt der Österreicher. “Ausgangspunkt ist immer der Song oder diese leuchtenden Zellen, die man beim Improvisieren findet. Brian ist ein extrem songorientierter Schlagzeuger. Er hat mit großen Songwritern gespielt. Joni Mitchell ist seine Heldin. Und er schreibt auch selbst Lieder. Das sind auf der Gitarre erfundene Songs, die mit Folk genauso viel zu tun haben wie mit allem anderen.“

In der Tat macht es der Drummer dem Gitarristen besonders einfach, denn kein anderer Schlagzeuger des Jazz ist derart gitarrenorientiert wie Brian Blade. Er begleitet zahlreiche Gitarre spielende Singer / Songwriter und umgab sich auch in seinen eigenen Bands mit Gitarristen. „Ich schriebe auch auf der Gitarre“, ergänzt Blade. „ Die Gitarre ist mein Medium, mit dem ich das Öl auf die Leinwand bringe. Ich spiele mit sehr unterschiedlichen Gitarristen, aber ich mag auf jeden fall die Transparenz, den harmonischen Reichtum und die Klangdichte der Gitarre. Die Gitarre hat auch stark mein Spiel auf dem Schlagzeug beeinflusst. Ich versuche stets, Melodien wie auf der Gitarre zu spielen, und dennoch den Rhythmus zu betonen. Auch die Gitarre ist schließlich ein Rhythmusinstrument.

Muthspiel weiß es sehr zu schätzen, mit einem Schlagzeuger zu kommunizieren, der sich derart gut auf der Gitarre auskennt. „Brian spielt sehr harmonisch, nicht nur rhythmisch. In dem Stück „The Tuning of the Bells“ hat er Glocken draufgespielt, die er vorher irrsinnig lange gestimmt hat. Obwohl ich sehr kritisch in Sachen Intonation bin, hat mich das gar nicht gestört, denn Glocken sind Instrumente, die nicht unbedingt einen Platz im harmonischen Gerüst einnehmen müssen. Aber er hat das anders gehört. Selbst wenn er auf eine Trommel haut, versucht er, immer im Einklang mit dem jeweiligen Akkord zu sein. Es war ein extrem unanstrengendes Arbeiten. Total konzentriert, aber ganz entspannt. Wunderschön. Als ich mit ihm auf meiner Trio-Tour war, war das immer das Gegenteil von mühsam. Dieses entspannte Musizieren ist auch bei mir in der letzten Zeit gewachsen, aber Brian ist ein Musiker, der diesen Aspekt maßgeblich unterstützt. Mit ihm wartet man beim Spielen auf die Beute, und wenn sie dann kommt, kann man sich ohne viele Worte richtig draufsetzen. Man kann ohne einen Plan losspielen.“

Stimmen mitdenken

Apropos Trio. Mit Ausnahme seiner Duos mit Rebekka Bakken oder mit seinem Bruder Christian kennt man Muthspiel vor allem aus Trio Kontexten, eins davon auch mit Brian Blade. Doch ein Trio ist eben etwas anderes als ein Duo, und das Duo mit dem Drummer ist mehr als nur ein Trio minus Bassist. „Der erste Schritt“, erläutert Muthspiel die Struktur und Chemie seines Duos mit Blade, „bestand darin, sich den Klang des Duos vorzustellen und dafür zu schreiben. Die Kunst lag darin, nicht zuviel zu schreiben und keine konkreten Dinge zu erwarten, sondern Songs und Zellen parat zu haben. Wir haben ziemlich viel Material erarbeitet, das wir dann ertasten und sichten mussten, bis die Hälfte wieder wegfiel. Die Sachen, die gleich funktionierten, haben wir weiter trainiert. Im Konzert wechselten wie ständig zwischen den Songs, deren Anfang wir kennen, und freien Stellen.

Das war die perfekte Kombination, denn wir konnten uns immer wieder auf das jeweils nächste Element freuen. Da ich viel solo spiele, ist mir die Bassfunktion sehr nahe. Ich denke diese Funktion einfach mit. Deshalb war dieser Kontext für mich gar keine große Umstellung. Manchmal sagte Brian sogar zu mir, ich solle nicht soviel Bass spielen, weil ich gerade am Anfang die Verantwortung spürte, diese Funktion mit übernehmen zu müssen. Davon hat er mich gleich erlöst.“

 

 

Dennoch klingt die Produktion viel voller als nur ein Duo. Man ist an die Komplexität des Duos von Pat Metheny und Lyle Mays erinnert. Zuweilen vergisst man völlig, wer von den beiden welche Funktion inne hat und welcher Ton auf welchen Musiker zurückgeht. Was zählt, ist allein der Klang des jeweiligen Stückes. „Eigentlich sind die meisten Tracks live eingespielt worden“, wirft Blade ein. „Wir haben nur ganz wenig mit Overdubs und Post-Production gearbeitet. Aber wir haben beide sehr komplexe Klangvorstellungen. Es ist uns nicht so wichtig, jeden einzelnen Ton zuordnen zu können, sondern es kommt viel mehr darauf an, einen Gesamtsound zu gestalten. Manchmal denken wir dabei andere Stimmen mit, ohne sie zu spielen. Warum soll es dem Hörer beim Hören unserer Musik nicht ebenso gehen?“
Muthspiel beschreibt die gegenseitige Durchdringung der beiden musikalischen Persönlichkeiten mit ihren Idealen, Backgrounds und Fähigkeiten als Glücksfall. „Das ist so eine Mischung von einem Stück Weg, das man in verschiedenen Kombinationen gemeinsam zurückgelegt hat, und einem großen Feld von Musik, auf das wir uns beide berufen. Wir kennen unsere Musikalität gegenseitig ganz genau. Ich halte mich für einen Musiker, der sehr vom Zuhören lebt, und auf Brian trifft das zu 100 Prozent zu. Wenn man sich gegenseitig zuhört und auch selbstbewusst dinge hinstellt, ohne vorsichtig zu werden, kann man die Grauzonen besser eliminieren. All das ist kein besonders bewusster Prozess, sondern es war zu diesem Zeitpunkt zwischen Brian und mir der Stand der Dinge, der zum glück gut ausging.“
Für Blade waren nicht nur die musikalischen Prozesse für das Gelingen des Projektes ausschlaggebend. Es kam auch noch eine menschliche Komponente hinzu, die über die Musik hinausgeht. „Wir sind uns sehr ähnlich - und in dieser Ähnlichkeit doch auch sehr verschieden. So ergänzen wir uns gut. Wolfgang ist ein Perfektionist, der genau weiß, was er will und daran so lange festhält, bis er diesen Punkt erreicht hat. Ich lasse mich vielleicht ein bisschen mehr treiben. Das tut uns gegenseitig gut, denn mit unserer Art können wir uns anspornen und austauschen, ohne das gemeinsame Ziel aus den Augen zu verlieren.“

Zunehmende Weisheit

Man könnte hinter dem Album auch eine Europa - Amerika - Connection vermuten. Doch über dieses Stadium sieht Muthspiel das Projekt hinausgewachsen. Es ist eher ein gemeinsames Faible für das liedhafte in der Folklore, egal welcher Provenienz. An diesem Punkt kommt der Metheny - Faktor ins Spiel. An verschiedensten Stellen der CD drängt sich der Eindruck auf, Metheny würde beiden Protagonisten lächelnd über die Schulter schauen. Beide haben ein enges Verhältnis zu Metheny. „Ich muss mich heute nicht mehr von Pat Metheny abgrenzen“, distanziert sich Muthspiel von eigenen Haltungen vergangener Tage. „Brian und ich pflegen eine gemeinsame Liebe zur Pat Metheny Group. Die schlug beim Spielen natürlich manchmal hörbar durch. Mittlerweile wehre ich mich nicht mehr dagegen. Im Gegenteil. Ich fühle mich total wohl beim Musikmachen. In der Vergangenheit habe ich zwar immer gespielt, aber lange nicht mehr geübt. Meine Studenten haben mich aber vor einem halben Jahr wieder inspiriert, wieder mit dem Üben anzufangen.“

Muthspiel muss nichts mehr beweisen. Die Programmatik fällt ersatzlos weg. Viele seine früheren Produktionen standen unter einem programmatischen Schirm, was der Musikalität oft Abbruch tat. „Gerade wenn ich mit meinem Bruder Christian zusammengespielt habe, mussten wir erst den Raum abstecken, in dem wir uns überhaupt bewegten!“, so Muthspiel. „Heute wird die Musik weniger von einer Idee als von einem Gefühl zusammengehalten. Mit Brian kann ich schnell etwas improvisierend bauen. Im zweiten Durchgang schauen wir dann, was wir daraus machen können. Wir haben keine Angst vor Einfachheit. Ein ganz normaler Dreiklang kann genauso viel wert sein, wie das hippste Voicing, das man erst nach 12 Jahren entdeckt. Es kommt allein auf den Ausdruck an – und nicht, wie hipp das in der Analyse sein kann.“

All das klingt sehr gesund. Ideal wäre es, wenn diese CD der Anfang einer längeren Partnerschaft wäre. Doch weder Blade noch Muthspiel wagen es, über eine Tour hinaus Prognosen anzustellen. Die Zeitpläne beider sind zu voll, um zuverlässige Zukunftsperspektiven zu entwerfen. Ein regelmäßiges festes Projekt hält Muthspiel für unwahrscheinlich, doch stellt er uns zumindest gelegentliche Updates in Aussicht. Besser las nichts.

Jazz Podium, Märzausgabe 2007, Ludwig Jurgeit

Musikalisches Urvertrauen

„Friendly Travelers“, Dokument einer berührenden Begegnung zweier Könner auf CD(RE017-2 Material Records/Harmonia Mundi). Brian Blade gilt als der interessanteste, sensibelste Schlagzeuger, Wolfgang Muthspiel ist einer der führenden europäischen Gitarristen. 2003 der „European Jazzmusician of the Year“. Nach zwei CDs des Trios Muthspiel-Johnson-Blade, der Begleitung des Pianisten Mike Holober und Rebekka Bakken schien die Chemie und die Zeit stimmig, um ein Duo-Projekt zu wagen. Brian Blade war zum Schlagzeugschwerpunkt bei der 15. JazzBaltica 2005 eingeladen. Er überzeuge den Künstlerischen Leiter Rainer Haarmann von der Idee auch Wolfgang Muthspiel einzuladen. Und dann verblüffte er Festival und Fans, als er in mehreren Stücken auch im reinen Gitarren-Duo zu erleben war. Das war die Geburtsstunde des Duos. Und sie lag im Jahre 2005 in Salzau und nicht 2006, wie es auf der CD und im Product Fact steht. vgl. www.jazzbaltica.de und dort den Menüpunkt „Historie“ und auch www.materialrecords.com/newrelease.

Wie die Stücke entstanden

„Einige sind ausgeschrieben, aber rund die Hälfte der Stücke ist aus der Improvisation heraus im Studio entstanden (Nr. 2, 7, 9, 10 und 11)“, erklärt Muthspiel. „Das ist eine gute Balance zwischen richtigen Kompositionen und Instant Composing. Das permanente Erfinden gibt Spannung. Wir teilen die Liebe zum Song. Die ist bei Brian auch nicht so überraschend, da er durch verschiedene Richtungen und besonders durch Joni Mitchell und Gospelmusik geprägt ist. Das ist bei mir ganz ähnlich. Brian hat einen tiefen mus9ikalischen Instinkt und die großartige Gabe entwickelt, seine Technik und Musikalität in den Dienst des Ensembles zu stellen. Er denkt immer die gesamte Musik des Ensembles mit. Das sind die Infos des Lebens, die sich hier treffen. Wenn man spielt und hinhört, was gerade im Moment da ist und dieses Hörpflänzchen pflegt, dann atmet das. Unsere Musik ist organisch und luftig. Unsere Zusammenarbeit ist getragen von einer sensiblen Freundschaft und musikalischem Urvertrauen zueinander.“ Und Brian Blade ergänzt: „Es kommt immer darauf an, dass Musik berührt, einige Töne treffen mitten ins Herz. Wolfgang und mich verbindet die große Liebe zur Musik, die tief emotional ist.

Kirche und Brian Blade

„Wenn man in der Kirche ‚aufwächst’ wie Brian, lernt man, etwas so auszudrücken, das über das, was man als Künstler darstellt, hinausgeht, z.B. durch eine Schwingung, die über die eigene Persönlichkeit hinausgeht. Das muss nicht zwangsläufig in der Kirche passieren, so etwas kannst du auch in der ‚Punkecke’ erleben“, meint Muthspiel. „Das ist anders als im Konzert, und es ist eine tolle Art des Musikmachens, weil das einen größeren Rahmen hat. Brian hat sich dadurch zu einem einzigartigen Schlagzeuger entwickelt. Bei ihm gibt es keinen Schlag, der nicht vom größeren Zusammenhang geprägt ist. Bei ihm kommt die Freude am Spielen durch, im besten Sinne ohne Ego. Man gestaltet, ohne sich klein zu machen, also ohne falsche Bescheidenheit, bedient sich aller Möglichkeiten der Gestaltung. Das Zentrum ist etwas anders. Das ist eine Dimension, die bei aller guten Musik vorhanden ist. Das ist als ob man sich bewegt und auf einen Dinge zukommen, die man aufgreifen kann und mit ihnen spielen kann. Dadurch wächst man. Und Brian Blade ergänzt, warum Kirche der Hintergrund des Titelsongs ist: “‚Friendly Travellers’ war die Gospelband, die ich in den 80ern in meiner Schulzeit in Louisiana jede Woche gesehen habe. Ich selbst habe zur Kirche einen engen Bezug, schließlich spielte ich dort das erste Mal Schlagzeug. Mit Kirche verbindet mich einfache viel, ob ich will oder nicht. Wolfgang und ich haben den Song als Gitarren-Duo aufgenommen und wir haben ihn so genannt, weil der Sound mich an meine Gospelzeit erinnert. Natürlich ist Wolfgang der Virtuose auf der Gitarre, und ich begrüße die Gelegenheit, unsere musikalische Beziehung neu zu definieren, auch wenn ich gelegentlich dabei stammle.“ Es ist der einzige Title auf dem Album als Gitarrenduo. Von den Livekonzerten im März/April kann man mehr Gitarrenduos erwarten, denn schließlich haben sie in Salzau bereits als ein Duo gespielt. Und wie Brian Blade verrät: “Wir haben seit den Aufnahmen schon wieder neue Stücke geschrieben, auch als Gitarrenduo.“ Daneben ist Blade mit seiner eigenen Band Fellowship aktiv, er tourt regelmäßig und nimmt bald ein neues Album auf. Außerdem ist er als Mitglied des Wayne Shorter Quartett in dessen Projekte involviert, und sie könnten spannend bleiben: „Wayne schreibt gerade etwas für Band und Symphonieorchester“, wie Blade weiß.

Kommt zur Jam-Session auf die Insel der Seligen
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2005, Nr. 157, S. 37, Ulrich Olshausen

.... Das gilt noch mehr für das wundervolle Duo Wolfgang Muthspiel/Brian Blade. Der Amerikaner, mit einiger Berechtigung als "Schlagzeuger der Zukunft" bezeichnet, kreiselte mit dem österreichischen Gitarristen zueinander, auseinander, in einem Beziehungsgeflecht voller Eigensinn und unvermuteter Übereinkünfte - Blade als der perkussiv singende Sensibilist mit seinen typischen Miniexplosionen und dieser merkwürdigen Fragmentierung des Swing, ohne ihn aufzulösen; und Muthspiel mit einem unendlichen abendländischen Erfahrungshorizont zwischen Atonalität und liedhafter Zärtlichkeit.

Entdeckungen beim "Inntöne"- Festival
Der Standard, 7. Juni 2006, Andreas Felber

Mit Wolfgang Muthspiel erfüllten auch bekanntere Namen die Erwartungen.
Er führte im Duo mit Brian Blade seine aktuelle Fokussierung songorientierter Introspektion fort, ließ mit "Youssou" eine reizvolle, Echoplex-unterstützte Hommage an Westafrika wie eine reizvoll abstrahierte Version von "Round Midnight" hören, um Superdrummer Brian Blade- im Gitarren-Duo!- auch als Songwriter vorzustellen.