GLOW
Intelligenz in hellwacher Trance
GMD Graz: „tensions“ brachte das Duo Muthspiel/Youssef
Es waren Synergie-Effekte der umwerfenden Sorte, die der tunesische Wahlösterreicher Dhafer Youssef und der Österreicher Wolfgang Muthspiel in der Grazer Generalmusikdirektion entfesselten. Das Duo präsentierte Ausschnitte und Improvisationen entlang seines heuer erschienen Albums „Glow“.
Eine verteufelt schöne Ästhetik hat dieses Gespann gefunden. Eine Ästhetik, die sich aus dem souveränen Überblick über die Geschichte und Geographie des Jazz, der Klassik, der Weltmusik speist, diese zu dichten musikalischen Erzählsträngen verwebt.
Mit den begnadeten Musikern versinkt das Publikum in hellwache Trance, man staunt über die gleichberechtigte Bühnenpartnerschaft, über die technische Abgebrühtheit, die sich mit intuitiver Unvoreingenommenheit paart. Da sind zum einen diese spannenden Skalen, die Unvorhersehbarkeit in Muthspiels Akkordfolgen, unprätentiös gegeneinander gesetzt und elegant verwoben. Zum andere die warme, tragende Stimme Dhafer Youssefs, warm gebettet und formvollendend, manchmal in nasalen Überhöhen, immer jedoch im richtigen Augenblick. Dem Oud entringt Youssef sperrige Versatzstücke, zuweilen synchron mit Wolfgang Muthspiels Arpeggi. Mitreißende Grooves werden „geloopt“, ruhige Momente zu berührender Schönheit gedehnt.
Der Kitsch bleibt zur Gänze ausgespart, weil hier zwei Musiker mit Humor agieren, weil der Einsatz elektronischer Hilfsmittel meisterhaft und der Sound zeitgemäß ist. Intelligenz und Kultiviertheit umgeben sich gerne mit einer Atmosphäre der Sauberkeit. Muthspiel und Youssef haben gründlich durchgeputzt.
M. Wagner, KRONEN ZEITUNG (Steirerkrone), Fr 9. November 2007
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