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GOODRICK / MUTHSPIEL

"Live at the Jazz Standard"

Er ist ein Gitarrengott, gefragter Lehrer am Berklee College Of Music, der Lehrer von Bill Frisell, Pat Metheny oder John Scofield: Mick Goodrick wirkt im Stillen und ist doch immer am Puls der Zeit. Jetzt hat er sich mit einem seiner Schüler zusammengetan: Wolfgang Muthspiel. Der kam einst über den Atlantik geflogen, um bei Goodrick zu studieren, der ihm ein Stipendium am New England Conservatory in Boston verschafft hatte. Aber schon bald ereignete sich Erstaunliches: „Mick war mein idealer Lehrer“, erinnert sich Muthspiel, „und ich war sein idealer Schüler, ein Glücksfall. Nach einem Jahr zog Mick „den Lehrer“ komplett zurück und war einfach mein Duopartner, und er empfahl mich vielen Kollegen, mit denen ich später musizierte, unter anderem Gary Burton und Paul Motian.“

Nun sitzt Goodrick Seite an Seite mit seinem ehemaligen „Lehrling“, um gemeinsam mit ihm durch die Skalen zu surfen, Akkorde zu häufen. Auf dem Programm: Frisells „Throughout“, Kerns „All The Things You Are”, Victor Youngs „Stella By Starlight” und eine ganze Reihe von Duo-Kompositionen der beiden. Es ist ein gleich-berechtigtes Geben und Nehmen.

Goodricks Zugriff ist rauer, manchmal steht seine Spielweise gegen Muthspiels satten Ton. 45 Minuten eines einzigartigen Gastspiels im New Yorker Club Jazzstandard. Oder wie Steve Swallow in den Liner Notes schreibt: „Sie haben ihr ganzes Wissen mit auf die Bühne genommen und dann, Gott sei Dank, haben sie alles wieder hinter sich gelassen. Das Resultat ist Musik für vier Hände der allerbesten Qualität.“ Schönheit mag ein abgegriffenes Wort sein. Hier kommt es noch einmal seiner ursprünglichen Bedeutung nahe.

Tilman Urbach (STEREO 5/2010)

 

Eine Art Gehirntransfer

Mick Goodrick auf der Bühne ist nur selten und nur in Boston zu erleben. Dass sein ehemaliger Schüler Wolfgang Muthspiel ihn dennoch zum Duo-Konzert in New York überreden konnte, ist ein Glücksfall.

"Ich bin pensioniert, was die Bühnenarbeit angeht", sagt Goodrick, der früher viel mit Gary Burton oder Steve Swallow unterwegs war. "Vor allem fliege ich nicht mehr. Das macht europäische Gigs unmöglich. Auch in Boston [Goodrikks Lebensmittelpunkt] spiele ich kaum. Ich spiele zwar demnächst ein paar Songs mit Gary Burton hier im Boston Performance Center, aber ich spiele kaum. Ich spiele natürlich viel mit meinen Schülern", sagt Mick Goodrick, der in den letzten Jahren vor allem durch seine Gitarren-lehrbücher von sich reden machte. Doch für seinen Meisterschüler, den österreichischen Gitarristen Wolfgang Muthspiel, machte er eine Ausnahme; auch deswegen ist Live at the Jazz Standard eine besondere Platte.

Absolut intus

In ausgezeichneter Qualität aufgenommen, musikalisch wie klanglich brillant und transparent, stellt das Konzert eine Sternstunde des Duospiels dar - und einen Meilenstein in einer langjährigen Freundschaft, die schnell vom Lehrer-Schüler-Verhältnis zum Musizieren auf Augenhöhe wurde. "Als 20jähriger schickte Wolfgang ein Tape an mich", erinnert sich Goodrick. "Er hatte sich um eine Stipendium am New England Conservatory beworben. Der klassische Lehrer Davis Leisner und ich waren beide sehr beeindruckt, denn auf einer Seite des Tapes spielte Wolfgang klassische Gitarre, auf der anderen E-Gitarre. Auf zwei musikalischen Gebieten so stark - da mussten wir ihn einfach haben!"

Nach mittlerweile über 20 Jahren spürt man die Praxis der zwei Spieler im Duo. Man versteht sich blind. Beide scheinen in jedem Moment zu wissen, was der andere spielen wird, ob es besser ist, mit Akkorden oder in Single Notes zu begleiten, und wann der andere den Solopart übernimmt.



 

 

 

"Wolfgang ist im Laufe der Jahre der Gitarrist geworden, mit dem ich die meisten Duos gespielt habe. Bei dem Konzert gab es sogar Momente, in denen ich Wolfgang so intensiv gehört habe, dass es sich anfühlte, als würde ich mit seinem Gehirn denken! Ihm ging es ähnlich, es war eine Art Gehirntransfer. Das lässt sich schwer beschreiben, aber es war sehr cool."

Das Repertoire des Abends bestand in erster Linie aus Standards. "Das ist das Schöne an diesem Projekt: Man musste nicht proben!" lacht Mick Goodrick - und Muthspiel ergänzt: "Wir hatten nie ein besonders großes Repertoire. Es geht darum, was man mit den Stücken macht. Wir unterhalten uns höchsten kurz übers Programm. Das Beste passiert über Sachen, die man absolut intus hat."

Muthspiel äußert sich sehr glücklich über die Aufnahme. Da man lediglich ein Konzert im New Yorker Club Jazz Standard beim Guitar Festival spielen würde, musste alles perfekt sein. Von den Liner Notes darüber informiert, welcher der beiden Gitarristen auf jeweils welchem Kanal zu hören ist, kann man sie voneinander unterscheiden, auch wenn sie einen ähnlichen klassischen Jazzgitarrensound bevorzugen. "Diese Verwechslung zwischen uns beiden hat es immer schon gegeben", erzählt Muthspiel. "Das passiert in einer Live-Situation natürlich einfacher und besser als im Studio."

Traumwandlerisch spielen sich die beiden Gitarristen die Bälle zu; spielt Muthspiel in einem Moment noch die Begleitung, kann er schon im nächsten Goodricks Melodielinie mit einer zweiten Stimme ergänzen. Die Rollen wechseln fliegend. Schon Intros können wie fertige, abgesprochene Kompositionen klingen - in jahrelanger Erfahrung weiß man, wo der Partner hingehen möchte, versteht, wie die Stimmung eines Stückes sein, wie das Tempo, nur angedeutet, gespielt werden soll und wann man dem Partner das Feld komplett überlässt.

(Kein) Positionsspiel

Was Mick Goodrick einem schon damals sehr fortgeschrittenen Studenten wie Wolfgang Muthspiel überhaupt beibringen konnte? Goodrick blickt zurück: "Ich sehe das so: Ich bin der perfekte Lehrer für jemanden, der keinen braucht. Also war ich der richtige Mann zum richtigen Moment. Wir haben beide viel voneinander gelernt, als wir miteinander gespielt haben."

Muthspiel selbst beurteilt es als sehr wichtig für seine Entwicklung, damals für ein Jahr in Boston bei Mick Unterricht gehabt zu haben:" "Mick hat mich schon durch ein paar sehr strenge Parcours geschickt. Eine große Übung bestand zum Beispiel darin, Begleitungen für Skalen aufnehmen und auf nur einer Saite darüber zu spielen. Damit bekommt man die Skalen intuitiv und emotional rein, und weil man nur eine Saite verwenden darf, hat man kein Positionsspiel auf der Gitarre."

Was Mick Goodrick an seinem ehemaligen Schüler am meistens schätzt, kann er in einem Wort zusammenfassen: "Everything! Seine Beherrschung des Instruments und der verschiedenen Vokabeln aus den unterschiedlichsten Musikepochen, sein Gehör, sein Gefühl fürs Timing und seine ungeheure Energie. Es ist einfacher für mich, auf das Energielevel von Mitmusikern zu reagieren als selbst eine Menge Energie zu generieren. Wolfgang hat eine Menge Energie für so einen alten Knochen wie mich übrig. Seine kompositorischen Fähigkeiten sind sehr hoch entwickelt. Als wir vor ein paar Jahren in Boston gespielt haben und er danach eine Clinic gegeben hat. nickte ich heftig zu allem, was er erklärte. Ich fragte mich die ganze Zeit, ob er das von mir gelernt oder schon immer gewusst hat. Nicht, dass es einen Unterschied gemacht hätte! Ich freue mich, dass ich eine kleiner Teil seiner phänomenalen Entwicklung sein durfte.

Um es mit dem Titel eines der Standards auf dem Album zu sagen: "All the Things You Are". Gewissermaßen.

Angela Ballhorn (JAZZETHIK 05+06.10)