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VISIONS, D, 05.09.2005

Helgi Jonsson, Glóandi (Material Records/Harmonia Mundi)

Helgi Jonsson hat aus dem Dunst der isländischen Geysire ein magisches Funkeln hervorgezaubert. von Marcus Kalbitzer

Als quiet in England plötzlich the new loud wurde, versuchte eine ganze Riege junger Bands, verträumte, andächtige Musik zu spielen. Doch erst der Isländer Helgi Jonsson hat nun derart anmutige Klänge erschaffen, dass man von Perfektion sprechen könnte. Er scheint in einem verwunschenen Schneewittchen-Schloss aus zartem Popschmelz zu wohnen und die gesamte Melancholie dieser Welt in seinem Herzen zu tragen. Etliche Songs haucht er mit androgyner Falsettstimme dahin. "Glóandi" (zu Deutsch glühend) wirkt wie ein einziger wehmütiger Seufzer. Eine sehnsüchtige, elegische Ode an die Liebe, das Leben und den Tod. Die verträumte Musik des 25-jährigen entfaltet eine erhabene Schönheit, und Jonsson verleit den an sich schon wunderschönen Songs mit seiner Stimme eine magische Aura. Die Intensität dieser Platte treibt einem Tränen der Rührung in die Augen. Das ist großes Gefühlskino, mit Pathos vorgetragen und von emotionaler Tiefe. Man merkt Helgi Jonsson den Mut zum Hit deutlich an. Geboren in Reykjavik und mittlerweile im österreichischen Wien verwurzelt, hat der klassisch ausgebildete Posaunist sich zum singenden und schreibenden Pop-Künstler entwickelt, der bereits mit isländischen Stars wie Björk oder Sigur Rós zusammengearbeitet hat. Nun legt er sein eigenes Meisterwerk vor. Danke für die Musik.

 

FALTER Nr. 36/05, 09.09.-15.09.2005

Aus der Dunkelheit ins Licht

MUSIK Schicksalhafte Wendungen führten den isländischen Posaunisten Helgi Jonsson nach Graz und von dort zum Indie-Pop. TIZ SCHAFFER

"Helgi Jonsson spricht hervorragend Deutsch – obwohl ihn das Musikstudium erst 1999 nach Graz verschlagen hat. "Ich habe viel Derrick geschaut", meint der junge, sympathische, 1979 in Reykjavik geborene Isländer, der vor kurzem das Studium der Jazz-Posaune abgeschlossen hat und nun in Wien lebt. Sein Studium hätte er eigentlich lieber in den USA absolviert. Er fand aber kein Konservatorium, das ihn genommen hätte. Über einen befreundeten finnischen Professor wurde ihm Graz als Ort seines studentischen Treibens angetragen. Die Entscheidung bereut er bis heute nicht. "Graz war unheimlich wichtig für mich. Seine Heimat zu verlassen und ein Studium zu beenden sind eben äußerst wichtige Stationen in einer Biografie." Im Bewusstsein, noch einige Jahre in Österreich zu verbringen, will er seine Berufung als Weltenbummler aber nicht aus den Augen verlieren und dabei dennoch Island als ideellen Lebensmittelpunkt verstehen. Die musikalischen Kontakte in seine Heimat sind nach wie vor noch intakt, immerhin verbringt er bis zu drei Monate pro Jahr auf der idyllischen Insel. Dann hängt er mit befreundeten Musikern herum. Oder spielt Posaune für den isländischen Exportschlager Sigur Rós, die großartigen epischen Elegiker, die im Dezember unter Mitwirkung von Jonsson ihr neues Album veröffentlichen. Auf die Frage, warum eine verhältnismäßig kleine Insel eine Unzahl beachtenswerter Popveröffentlichungen hervorbringt, meint Jonsson: "Es gibt sicher eine Unmengen an Island-Klischees. Dass aber die Isolation, die monatelange Dunkelheit, das Klima und die bescheidenen Möglichektien eine Heimbeschäftigung erfordern, stimmt natürlich." Klischees, die von Popstars wie Björk durch ihre Elfenhaftigkeit und auratische Introvertiertheit zementiert werden. Jonsson: "Andererseits neigen die Isländer zum Größenwahn. Sie fangen einfach Dinge an, von denen sie keine Ahnung haben. Wenn nichts draus wird, suchen sie einfach was Neues. Manchmal klappt es eben."

Mit Jonssons Musikerkarriere hat es bis jetzt ebenfalls einwandfrei geklappt. Er ist offizielles Mitglied der Jazz Big Band Graz und seit 2001 Posaunist der Gruppe Beefólk. Dass er sich dem Indie-Pop zugewandt hat, erforderte der unglückliche Umstand, dass ihm seine Schulter beim Posaunespielen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Zwangsweise – aber nicht ohne Leidenschaft – hat er seine Fähigkeiten auf dem Klavier und der Gitarre erweitert und so nebenbei seine Stimme entdeckt. Das Ergebnis ist auf seiner soeben erschienen Veröffentlichung "Glóandi" zu hören. Ein unbeschwertes Indie-Pop-Album, zwischen dezenter Melancholie, ausgelassener Popgeschmeidigkeit und unaufdringlichem Pathos.