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Muthspiel & Muthspiel - early music

Muthspiel Bros.
Die Weltwoche Nr 8, 21.02.2002

Die Brüderlichkeit ist, nicht anders als Freiheit und Gleichheit, ein schöner und schmerzlicher Menschheitstraum. Ihre Ideale setzte die französische Revolution (wie fast jede nach ihr) nur als tödliche Parodie vom Kopf auf die Füsse: Ihre Gleichmacherin war erst einmal die Guillotine. "Brüderlichkeit" meinte vor allem Kain und Abel. Mit der Vertreibung aus dem Paradies kam das Familiendesaster in die Welt, es gehört zum göttlichen Fluch wie die Erbsünde. Will sagen: Es ist allemal eine schöne Überraschung, wenn sich zwei Brüder besonders gut verstehen, wie zwei eben, die miteinander eine Kindheit geteilt haben, und zwar keine schreckliche. Da kann sich auch mal eine besondere Vertrautheit, ein unfraglicher Ein-Klang einstellen. Wie beim Duo, zu dem sich die beiden Österreicher Christian und Wolfgang Muthspiel (Jahrgang 1963 der eine, 1965 der andere) seit nunmehr bald zwanzig Jahren immer wieder zusammenfinden. Da strahlte für mich schon immer eine Art idealischer Glanz, schon als sie sich "duo due" nannten und 1987, 1988, 1989 ihre ersten Pklatten aufnahmen: "Schneetanz", "focus", "duo due tre".
Freilich existierten beide vorwiegend als Einzelne. Wolfgang, als Kind an der Violine zugange, wechselte bald zur Gitarre, spielte bald mit Gary Burton, mit Tom Harrell, Paul Motion, PeterErskine, Maria Joao, Trilok Gurtu und vielen anderen. Sein älterer Bruder, aufgewachsen am Piano und dann Posaunist, warf sich auf die so genannte (also komponierende) "zeitgenössische Musik", Kammermusik, eine Oper, ein Violin-, ein Klavierkonzert, Multimedia-Projekte. Parallel dazu das Jazzensemble Octet Ost. Seit 1995 gehört er auch zum Vienna Art Orchestra von Mathias Rüegg. Daneben aber und immer in schöner Freiwilligkeit die gemeinsamen Projekte, der Muthspiel Bros.: ein eigenes Festival gar im Wiener Konzerthaus, Auftritte mit dem Wiener Klangforum beim Bruckner-Fest Linz.

 

Nun legen sie sozusagen im Eigenverlag, mit dem Label "material records", eine Scheibe vor, die, wenn sie nur einer wahrnähme ausserhalb Wiens, für mich schon jetzt als eine des Jahres 2002 feststeht. Fans schreckt sie nicht nur durch das marginale Label, sondern vor allem durch den Titel ab: "Echoes Of Techno", Reflexionen von oder besser über Techno, "Ambient Music", "Drum'n' Bass" - das schlägt nicht nur orthodoxe Gruftis, sondern auch die differenzierten Feingeister in die Flucht, an die sich diese Musik doch unzweifelhaft richtet. Denn "Echoes" und "Reflections" meint das Gegenteil von Love-Parade und Disco.
Auf dem Durchgang durch die beiden ungeheuer musikalischen Temperamente verwandelt sich das martialische Brutalo-Hämmern in ein vielfältig gebrochenes, ausziseliertes, farbiges Gespinst. Dieses stürzt den Zuhörer von einer Überraschung in die nnächste, lässt Interferenzen branden wie Meeresrauschen, verheiratet problemlos das, was wir anderswo "noise music" nennen mit romantischer Melodie- und Modulationsseligkeit und ist manchmal das Imitat einer Sahel-Flöte mit impressionistischem Saitenrauschen. Vom intimsten Zwiegespräch zum überwältigenden Panoramasound: Hier kommt jedes Format vor. Wolfgang und Christian Muthspiel sind auf der Gitarre und der Posaune präsent. Das versteht sich, aus dem Childrens Corner aber ziehen sie Violine und Piano, aus Frankensteins Labor jede Menge Recorder und sonstiges elektronisches Gerät. Nur dass daraus, wunderbar genug. kein Horrorkabinett entsteht, sondern eine warme, witzige, menschliche, organische Musik. Die Technik ist das Mittel, ihr Zweck ist Kunst, und wer allein beim Wort "Ambient" zusammenzuckt, möge sich erinnern, dass schon Erik Satie von "musique d'ameublement" sprach.

Peter Rüedi