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Salzburger Nachrichten am 24. November 2005 - Bereich: Kultur

Zwischen den Tönen bleibt die Musik von Dauer
Statt die Krise der Musikindustrie zu betrauern, hat Wolfgang Muthspiel ein Label gegründet - CD-Präsentation in Goldegg

CLEMENS PANAGLSALZBURG (SN). Aydin Esen ist kein Mann der Formalitäten. Wenn sich der türkische Jazzer hinter sein Klavier setzt, gilt es, keine Zeit zu verlieren, sondern einen eruptiven Strom an Ideen zu bändigen und in vibrierenden Klang zu verwandeln. Ausgetüftelte Kompositionskorsette, vorgefertigte Songstrukturen? Nicht nötig. Esens Stücke entstehen in dem Moment, in dem er sie spielt. Zwei Tage lang hat der Pianist seinen improvisatorischen Eingebungen in einem Studio in Steinakirchen freien Lauf gelassen. Von komplex-versponnener Intensität und zugleich von einer ungemein klaren lyrischen Strahlkraft sind die neun Takes, die der Pianist und Live-Elektroniker aus der Session für sein Album "Dialogo" ausgesucht hat.

Auch Helgi Jonssons Musik scheint ausnahmslos aus Intensität zu bestehen - ganz gleich, ob der isländische Sänger und Posaunist auf seinem Solodebüt "Gloandi" zu filigranen Akkorden melancholisch über die Unsicherheit als das einzig Verlässliche philosophiert, oder seine hypnotische Stimme über rockenden Gitarren schweben lässt. Mit untrüglichem Instinkt für große Popsongs hat der 25-Jährige ein sorgfältig ausgefeiltes, erwachsenes und schlicht exzellentes Album vorgelegt.

Was die beiden verbindet? Aydin Esen und Helgi Jonsson haben ihre Alben auf Wolfgang Muthspiels Plattenlabel "Material Records" veröffentlicht. Der Gitarrist, lange Zeit Österreichs renommiertester Jazz-Exilant in New York, ist seit einigen Jahren wieder in Wien zuhause und findet neben der eigenen Musikerkarriere zunehmend auch seine Nebenrolle als Plattenfirmenchef spannend. "Es ist sehr inspirierend, ständig so viel Neues zu hören", erklärt Muthspiel im SN-Gespräch. "Mittlerweile bekomme ich jeden zweiten Tag ein Demo zugeschickt."

Gegründet hat er das Mini-Label "Material Records" vor fünf Jahren. Mit Sängerin Rebekka Bakken stand er damals in den Startlöchern, um das erste Album des gemeinsamen Projektes "Daily Mirror" aufzunehmen. Dann sprang die Plattenfirma ab. "Also habe ich beschlossen, das Album selbst herauszubringen", erzählt Muthspiel. Dass "Daily Mirror" ein Erfolg wurde, sei "ein gutes Omen für den Start von Material Records" gewesen.

 

 

 

 
 

 
 
 
 

Mittlerweile ist es eine ganze Musikerfamilie, die bei Muthspiel veröffentlicht. Der will als musikalischer Chef der Firma "nicht einen speziellen Sound forcieren, sondern eine Gruppe von Künstlern aufbauen, die gewisse Verwandtschaften aufweisen. Mir geht es um eine Musik mit Zwischentönen."
Jonsson und Esen steckten dabei "auch stilistisch ein Feld ab, in dem sich unser Spektrum bewegt". Im "Material Records"-Katalog finden sich etwa auch CDs der Grazer Jazz-Folk-Crossover-Formation beefolk (in der auch Helgi Jonsson spielt) oder des Ensembles Armacord (deren aktuelles Album wird heute, Donnerstag, im Schloss Goldegg erstmals präsentiert). Im März 2006 will Wolfgang Muthspiel ein Album mit seinem neuen Trio veröffentlichen: "Wir haben sehr viel zusammengespielt, haben uns Zeit gelassen, zusammenzuwachsen."

In diesem Punkt ortet Wolfgang Muthspiel das große Defizit der Majors: "Damit eine Musik auf Dauer bestehen kann, muss letztlich ihr Wesen stimmen, das nur in Tönen existiert. Große Firmen können aber der Musik keine Zeit zum Gedeihen lassen, sondern leben von Saisonerfolgen".

Dass Muthspiels kleines Label nicht unter dem kommerziellen Hochdruck der Großen arbeiten muss, sei "ein sehr gutes Gefühl". Ein wenig anders sieht die Musikwelt durch die Brille des Labelbetreibers allerdings auch für ihn aus: "Reiner Idealismus reicht nicht. Wir wollen und müssen kommerziell erfolgreich sein. Dazu brauchen wir auch eine gewisse Internationalität". Kürzlich hat Muthspiel einen Vertrieb für Island gefunden, mit Vertrieben für England und Frankreich gebe es "gute Gespräche".

1500 bis 3000 Exemplare müssen - je nach Produktionskosten - verkauft werden, damit ein Album kein Verlustgeschäft ist. "60 bis 100 Titel pro Monat" werden mittlerweile auch als Downloads via Internet verkauft.

Was für Muthspiel nebst "einem hohen Energieaufwand" bleibt, ist "ein hohes Maß an Flexibilität und die Möglichkeit, Produktionen ohne große künstlerische Einschränkungen" zu realisieren. Zu entdecken gebe es noch viel. "Allein Aydin Esen nimmt zuhause ständig neue Improvisationen auf. Da warten sicher einige Schätze."Info: www.materialrecords.com; Vertrieb für Österreich: Lotus Records. Live: Aramcord, Schloss Goldegg, heute (20 Uhr).