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Richtlinien verletzen, Ruhe bewahren
Kurier 23.04.2002

Wolfgang Muthspiel schrieb für das Donaufestival eine Neubearbeitung mittelalterlicher Choräle.

"Zwettl ist sensationell", meint Dr. Charlotte Ziegler, Expertin für alte Handschriften in der Bibliothek des Waldviertler Zisterzienserklosters, "seit dem 12. Jahrhundert singen die Mönche hier nach den gleichen Richtlinien." Wolfgang Muthspiel grinst. "Die Richtlinien werd' ich wohl schwerstens stören", meint er.

Der renommierte Jazz-Gitarrist und Komponist, der seinen Wohnsitz vor kurzem wieder von New York nach Wien verlegt hat, schrieb im Auftrag des Senders Ö 1 eine Neubearbeitung alter Choräle, die am Samstag, dem 27. April, in der Minoritenkirche in Krems zur Uraufführung gelangt. Ein Ensemble aus acht Sängern, zwei Violinen, Kontrabass und Gitarre wird das Stück interpretieren, dazu arbeitet Muthspiel noch mit elektronischen Hilfsmitteln. Es ist aber keine "verjazzte" Version von Kirchengesängen, sondern ein durchkomponiertes Werk.

MITTELALTER
Das Ausgangsmaterial - Loblieder, Chorgebete, Antwortgesänge auf Bibeltexte ("Responsorien") - lagert in großen, handgeschriebenen Folianten in der kühlen Barockbibliothek des Stiftes Zwettl. Die Noten stammen aus der Zeit um 1268. Es sind durchwegs einstimmige Chorgesänge mit lateinischen Texten, die in einem alten, vierzeiligen Notensystem niedergeschrieben wurden (die Originalhandschrift wird beim Konzert ausgestellt). Nachdem Muthspiel die Stücke zusammen mit dem Zwettler Pater Petrus ausgewählt hatte, musste er sie erst in das bekannte System übertragen.

 

 

 

"Ich habe mir die Melodien und Texte angeschaut und versucht, dem etwas entgegenzustellen, das die Stimmung, die Einfachheit, Ruhe und Klarheit dieser Musik aufnimmt, sie aber auch mit einer zeitgenössischen Sprache verbindet", erklärt Muthspiel. "Ich versuche einerseits, die Melodien mit neuen Klängen zu unterlegen, andererseits, sie harmonisch umzudeuten, ihnen ein anderes tonales Zentrum zu geben." Die Komposition ist speziell auf den Raum der Minoritenkirche zugeschnitten. "Ich denke, es wird ein sehr meditatives Klangereignis werden", sagt der Musiker.

Die Idee zu dem Projekt, das die Konzertreihe "Im heiligen Garten" eröffnet (siehe Kasten), stammt von Donaufestival-Musikkurator Wolfgang Schlag. Das Konzert wird von Ö 1 aufgezeichnet, eine CD-Veröffentlichung im Herbst, eine Präsentation im Wiener Stephansdom und eine Tournee durch Klöster in Österreich, Bayern und Südtirol sind angedacht.

Das Projekt, das für Schlag in einer Reihe mit Konstellationen wie "Jan Garbarek & The Hilliard Ensemble" stehen kann, soll auch helfen, auf die Verdienste der Klöster als Archive der Kultur aufmerksam zu machen.

Für Wolfgang Muthspiel selbst liegt die Verbindung zu sakraler Musik in der Familie: Sein Vater war Chorleiter in Judenburg. "Da wurden aber eher Renaissance-Stücke gesungen, keine gregorianischen Choräle", sagt er. Dennoch sei es leicht gewesen, sich zu den mittelalterlichen Stücken Variationen einfallen zu lassen: "Diese Melodien", so Muthspiel, "haben eine unglaublich starke Aura".

Michael Huber