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Wolfgang Muthspiel - solo

Sicherheitsdenken und "positive Signale"
Ausklang des Jazzfestivals Saalfelden 2004
Der Standard 31.08.2004

Wolfgang Muthspiel hielt da in einem seiner raren Solokonzerte mittels nuancenreicher, aus der Improvisation entwickelter Piecen hörenswerte Innenschau - nicht ohne etwa auch die zerklüftete Rhapsodik eines Harry Pepl und das Rhythmusgitarren-Geschrumme der Django-Reinhardt-Gruppen in kluger Abstraktion zu reflektieren; und auch Muthspiels altbekannte wie grandiose Paraphrase von All My Loving durfte nicht fehlen.

Andreas Felber

Ein Umschlagplatz für neue Musik
PASSAUER NEUE PRESSE, 01.09.2004

"Als Umschlagplatz für neue Musik", so der österreichische Ausnahmegitarrist Wolfgang Muthspiel bei seiner Soloperformance, sei Saalfelden für die Musiker ein enorm wichtiges Festival.
Dass sich das Neue in der Musik aber auch im Zeitalter von Drumcomputer und Soundgeneratoren keineswegs in elektronische Exzesse verlieren muss, dafür standen gerade die europäischen Künstler Pate. Wolfgang Muthspiel stellte seine live auf der Bühne entwickelten Loops in den Dienst der Kreativität.

Wolfgang M. Seemann

Welt aus Sound
SALZBURGER NACHRICHTEN, 12.8.00

"Ich will so viele Klänge wie möglich erzeugen, die Grenzen dieses Instrumentes so weit wie möglich überschreiten, vergessen machen, dass es Gitarrenspiel ist." Wolfgang Muthspiel sägt beständig an den Eckpfeilern des traditionellen Jazzgitarren-Verständnisses. Der österreichische Gitarrist mit Wohnsitz New York zählt nicht nur zu den Top-Spielern der internationalen Gitarren-Liga. Wie wenige anderre hat er auch ein Faible für Innovation.
Freien Raum für Klangexperimente hat sich Muthspiel mit seinen Soloauftritten geschaffen - eine Nische, in der er seine Vision von musikalischer Freiheit verwirklichen kann: "Für mich ist das Solospiel immer existenziell gewesen. Es gibt mir die absolute Freiheit, immer genau das machen zu können, was ich will. Und gleichzeitig ist es so eine intime Form des Musizierens, weil ich jeden Moment selbst steuern kann."
Unendlichen spielerischen Freiraum schafft ihm auch bei seinem Solokonzert im Rahmen des Salzburger Jazzseminars am Donnerstag seine außergewöhnliche Virtuosität, die er in ausschweifenden, immer spannungsgeladenen Improvisationen ausspielt. Für klanglichen Abwechslungsreichtum sorgen technische Effekte. Elektronische Loops, die live eingespielte Musiksequenzen in einer Endlosschleife wiedergeben, lassen aus einer Gitarre ganze Klangwelten entstehen, die Muthspiels Improvisationen den Boden unter den Füßen geben.
Zuweilen wird der Klang selbst zum Improvisationsobjekt: "Das Spiel mit dem Klang ist Improvisation auf einer anderen Ebene. Auch hier gibt es Spannungsbögen und Energiekurven. Manche meiner Stücke sind nur mehr Klangimprovisation, reiner Sound."
Parallelen zur sample- und loopfreudigen Technogemeinde sind durchaus beabsichtigt. Von der Musik, die sich aus dem Techno entwickelt hat, habe er sehr viel aufgenommen. "Vor allem was das Soundverständnis betrifft, bewundere ich diese Kultur."

Clemens Panagl

 

 

 

Wolfgang Muthspiel
solo
Material records MRE 010-2

Es ist die gleiche Besetzung, die 2001 die Standards der "Real Book Stories" einspielte. Als die Tour zu dem Album beendet war, gingen Wolfgang Muthspiel, Marc Johnson, b, und Brian Blade, dr, ins Studio und nahmen „Air, Love & Vitamins“ auf und schufen eine kammermusikalische Perle, einen leisen, feinen Triumph der Sensibilität, des ganz feinen Strichs: Sanfte, wohlgesetzte Klänge überwiegen, Sparsamkeit statt Eloquenz: In der Ruhe liegt die Kraft und im Fortlassen-Können. Und gewiss ist Carla Bleys „Floater“ eines der besten Beispiele für die Schönheit, die Zurückgenommenheit des ganzen Albums. Muthspiel selbst, mag das gelegentlich Fingerstyling auf seiner Jazzgitarre, aber seine charakteristischen, katzenpfötig sorgfältig gesetzten Singlenotes überwiegen, während seine gebrochenen Akkorde, Double- und Triplestops meist die zeitgemäßen Akzente setzen oder verstärken. A propos Schönheit: Man beginne einfach bei Stück eins, dem Titelsong von Harry Pepl, in dem hier Marc Johnson das wunderschön melodische Thema spielt. Dann haben wir da Vince Mendozas „Panis angelicus“, eine kaum minder schöne Singleline-Ballade. Vor dem Bley-Stück noch „After 6“, mein Favorit, mit langen swingenden Improvisations-Passagen. Ja, und nicht zu Nylonstring acoustic für die beiden letzten Stücke, „Nydia“ und „Snare-tourists“. Was für eine betörend schöne Absage an den sinnentleerenden Virtuositätskult, was für ein zartes Plädoyer für die Courage, sich seiner eigenen Sensibilität zu bedienen!
Vom Trio zum Solo:
Auf seinem eigenen, 2000 gegründeten Label legt Wolfgang Muthspiel ein Album vor, das für (Jazz-)Gitarre-Freunde und – Spezialisten vermutlich so etwas werden könnte wie die Krönung dessen, was meisterhaftes Solospiel ausmacht. Muthspiels CD mit 13 Stücken, außen stilvoll schlicht und in blau gehalten, ist tatsächlich ein Triumph, eine Bilanz auf höchster Ebene. Der klassische Spieler von früher, der zum Jazz und damit später sogar ins Quintett von Vibraphonist und Fusion-Pionier Gary Burton kam, auf gut 30 Alben als Frontman oder Sideman, im Umlauf ist, überall in Europa unterrichtet, vom „Musicians“-Magazin gar unter die zehn besten Jazzgitarristen auf dem Globus gezählt wurde, kürzlich mit Rebecca Bakken auf Tour war und und und – dieser Wolfgang Muthspiel hat mit „Solo“ tatsächlich ein Wunderwerk nicht nur der Technik, sondern vor allem hoher Musikalität, hohen Anspruchs an sich selbst und großer Schönheit geschaffen. Er selbst nennt den frei improvisierenden Keith Jarrett und den ECM-Solisten Ralph Towner zu seinen größten Bewegern. „Solo“ aber ist, gottlob, ganz und gar WM. Und was heißt das? Das heißt Singbarkeit mit jeder Menge Fallgruben, außerordentlich präzises, auch sehr schnelles Spiel fast ohne Smears und Bendings, kristallklaren Ton (den allerdings auch ihm seine Ovation naturgemäß verweigert), unbegrenzte Einfälle im harmonischen wie melodiösen Bereich und insgesamt eine Modernität, die mehr Vermittelndes mit sich bringt, als Trennendes oder Diskreditierendes. Für „Solo“ hat er sich, „ohne große Vorbereitung“ ins Studio gesetzt und „fast alles“ improvisiert. Das klingt so, als müsste man die Wörter abklopfen: Was soll da heißen – „fast alles improvisiert“? Richtig ist, dass WM bewundernswert souverän jedes Risiko der Geschwätzigkeit à la Wehe-wenn-sie-losgelassen vermeidet und dass er in der Gestaltung seiner Stücke – unter denen mit „Spiral“, „Keith suite“ und vor allem „Beauty“ am meisten gefallen, langsame Titel, Balladen, von wirklich berückender Schönheit und Ruhe – architektonische Meisterleistungen vollbringt, die entweder schon vorab im Kopf skizziert oder aber, mon dieu, blitzschnell während des Spiels entstanden sein müssen. Das mag möglich sein. Jeder, der improvisiert, weiß, dass aus Momenten heraus erstaunliche Dinge entstehen können. Ich denke aber doch, dass die „Rahmenbedingungen“ zuvor festgelegt waren.
Sei’s wie es war: Das Resultat rechtfertigt jede Maßnahme und also auch jeden Overdub außer vielleicht in dem MIDI-Stück „Glow“, das denn doch ein bisschen sehr aus dem Kontext herauspurzelt. Es gibt, wie in „Bird’s eye view“ und in „Finally“ Fingerstyle, es gibt in „Tabla groove“ nämliche Effekte mit sehr schnellen Läufen über einen Pedal- oder Bordunton. Es gibt wie in „Golden rings“, immer wieder diese typischen aufgebrochenen, Leersaiten nutzenden modernen Akkorde – überhaupt scheint mir „Golden rings“ exemplarisch zu sein für die Muthspielschen Klangwelten, für seine Modernität, für sein so bewundernswert unaggressives Zeitgenossentum und seine hohe Sensibilität und musikalische Intelligenz und Klugheit. Wer’s dann noch immer nicht kapiert hat, in welcher Liga der Man in Wien spielt, der höre sich „waves“ an. Da klingt es nach zwei Archtops und so, dass jedem Jazzer das Herz auf- und übergehen muss. Mir ging es in zwölf von 13 Stücken über. Es kommt mir vor, als hätte ich erst jetzt richtig verstanden, was es mit Wolfgang Muthspiel wirklich auf sich hat...

Alexander Schmitz