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Amarcord Wien

VÖ Datum A, CH, E: 03.10.05 / D: 19.10.05

Amarcord Wien: Satie Wien, im August 2005

„Ob ich Franzose bin?...

Natürlich... Warum wollen Sie, dass ein Mann meines Alters nicht Franzose sei?...

Sie überraschen mich...“

Wir sind auf Satie gestoßen und nehmen ihn ernst.

Wir, das ist Amarcord Wien, ein ungewöhnliches Quartett in der Besetzung Geige – Cello – Kontrabass – Akkordeon; vier Musiker, die in der Musikstadt Wien zusammengefunden haben. Und Satie, das ist der zauberhafte kleine Einfall, die unvermutete Wendung, die knappe Form, die keine sein will, die poetische Stimmung. Je weniger Noten da sind, desto mehr kommt es darauf an, wie man sie spielt. Wir nehmen uns in der Interpretation Saties jede Freiheit, konsequenter noch als zuvor schon mit der Musik Astor Piazzollas oder den Bildern einer Ausstellung von Modest Mussorgskij. Unser Antrieb ist Spiellust, nicht werkgetreue Wiedergabe. Der Minimalismus Saties reizt zu neuen Klangflächen. Es fordert heraus, seine Stücke in einem neuen musikalischen Kontext anders erscheinen zu lassen. Wo einfache Strukturen zum Improvisieren einladen, nutzen wir sie. Die Bearbeitungen beruhen großteils auf Ideen des Geigers Sebastian Gürtler, aber es ist ein Grundprinzip unseres Ensembles, in intensiver Probenarbeit das Repertoire wachsen und entstehen zu lassen, die Arrangements in der Auseinandersetzung gemeinsam zu finden, sie immer wieder neu zu formen, damit zu spielen und die Musik ohne Scheu vor der Endgültigkeit des Originals zu bearbeiten. Manchmal entsteht die Gestalt erst auf der Bühne. Fertig ist sie nie …

Sebastian Gürtler ist ein ganz besonderer Geiger, der mit seiner Virtuosität und mit seinem Klang verblüfft. Ihn, der an den Musikuniversitäten Brüssel, Genf und Wien studierte, prägt ein ständiges Suchen nach neuem musikalischen Boden. Der aus Hallein stammende Geiger ist auch 1. Konzertmeister der Volksoper Wien und Erster Geiger des Hugo Wolf-Quartetts.

Der in Frankreich geborene Australier Michael Williams ist im Ensemble kongenialer Partner Sebastian Gürtlers. Ausgebildet an den Musikuniversitäten von Sydney, Basel und Wien und mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet ist der Cellist von Amarcord Wien neben einem umfassenden klassischen Kammermusikschaffen seit Jahren Solocellist des Wiener Kammerorchesters.

Gerhard Muthspiel, der neben Musik auch Germanistik und Sport studierte, ist Bassist des ungewöhnlichen Quartetts. Sein Schaffen als Instrumentalist ist wie bei seinen Brüdern Wolfgang und Christian, beide bekannte Jazzmusiker, sehr vielseitig. So ist er auch Solokontrabassist der Volksoper Wien und Gründer des Kontrabass-Sextetts Bass Instinct.

 

 

 

 

Tommaso Huber wuchs in einer von Volksmusik geprägten Umgebung in seiner Heimat Oberösterreich auf und lernte früh von seinem Vater das Akkordeonspiel. Später fand er auch zum Kontrabass und studiert dieses Instrument an der Musikuniversität Wien. Durch sein klangvoll gespieltes Akkordeon macht er die Besetzung des Ensembles so ungewöhnlich und mischt eine sehr charakteristische Farbe hinzu.

Erik Satie lebte vom 17. Mai 1866 bis zum 1. Juli 1925. Von 1878 bis zuletzt in Paris. Über 27 Jahre lang in einem kleinen Zimmer, armselig möbliert mit Bett, Schrank und Tisch, einem klapprigen Klavier und einem einzigen Stuhl. Niemand sonst als Satie hatte Zugang zu diesem Raum, alle Gäste wurden an der Haustüre verabschiedet. Trotz des ständigen Geldmangels erschien Satie immer gut und typisch gekleidet, mit Samtanzug, Melone und Spazierstock.

Ein Einzelgänger in der französischen Musik des 20. Jahrhunderts, die unvollständig wäre ohne Nennung seines Namens. Er, der den gängigen Konzertbetrieb seiner Zeit ablehnt, schlägt sich als Barpianist in Cafés und Varietés durchs Leben und genießt das Leben als Bohémien in der Pariser Künstlerszene. Seine Schriften, scharfsinnig und voller Ironie, sind eine gewitzte Sammlung von Aperçus, kleinen Theaterszenen und surrealen Gedichten. Musik hat er nicht besonders viel geschrieben, aber sie überrascht uns. Fantastische, originelle Kleinigkeiten, wenig davon auf längere Sicht zusammenhängend. Durch Verzicht auf Dramatik und durch Aufgabe der Funktionsharmonik schafft er die von ihm angestrebte „musique pure“, reine, unverfälschte Musik. Stehende Klangbänder voll schlichter Poesie, bewusst antivirtuos, eine neue Nuance innerhalb der musikgeschichtlichen Entwicklung, die viele Komponisten seiner Zeit tief beeindruckt und beeinflusst. Musik als Dekor, als Hintergrund, mit dem einzigen Sinn, eine Situation durch ihr prinzipielles Dasein aufzuwerten.

„Ich stelle sie mir melodiös vor, sie würde den Lärm der Messer und Gabeln mildern, ohne ihn zu übertönen, ohne sich aufzudrängen. Sie würde peinliche Gesprächspausen füllen und die Gäste vor Plattitüden bewahren.“

Und während seines Klavierspiels ruft Satie, fasziniert von ungewöhnlichen Hörerwartungen, immer wieder ins Publikum:

„Hören sie nicht zu!“

Wie hört man eine Musik, die nicht möchte, dass man auf sie hört?