Muthspiel & Muthspiel
mozart loops I: Requiem
vom Gedenken – dark songs
Loops: aus Mozarts Requiem
Karl Amadeus Hartmann: Concerto Funébre (Violinkonzert)
Witold Lutoslawski: Musique Funébre
Toru Takemitsu: Requiem
Arvo Pärt: Cantus in memory of Benjamin Britten
Dark Songs:
Prince: Sometimes it snows in april
Sting: They dance alone
Billie Holiday: Strange fruit
J.J. Johnson: Lament
mozart loops II: Kleine Nachtmusik
vomLeben der Nacht – night songs
Loops: aus Mozarts Kleiner Nachtmusik
Benjamin Britten: Nocturne
Wolfgang Rihm: Nachtordnung
Edward Elgar: Chanson de nuit (Bearbeitg. für Streichorchester/Reed)
Kurt Schwertsik: Draculas Haus-und Hofmusik
Night Songs:
Lennon/McCartney: Blackbird
The Rolling Stones: Let´s spend the night together
Joni Mitchell: Dreamland
Thelonious Monk: Round midnight
mozart loops III: Don Giovanni
von Liebe, Eros und Höllenfahrt – love songs
Loops: aus Mozarts Don Giovanni
W.A.Mozart: Don Giovanni – Ouverture
Igor Strawinsky: Danse du diable (aus: Die Geschichte vom Soldaten)
Mauricio Kargel: aus: 10 Märsche, um den Sieg zu verfehlen
Arnold Schönberg: Verklärte Nacht
Igor Strawinsky: Marche triomphale du diable (aus: Die Geschichte vom Soldaten)
W.A.Mozart: Cosi fan tutte – Ouverture
Love Songs:
Lennon/McCartney: Michelle
Lennon/McCartney: Yesterday
mozart loops IV: Papageno
vom Kind in uns –songs of innocence
Loops: aus Mozarts Zauberflöte
Benjamin Britten: Simple Symphony
Hanns Eisler: Variationen über amerikanische Kinderlieder (Suite für Septett Nr. 1 op. 92a)
Gustav Mahler: Symphonie Nr.4, 4. Satz „Wir genießen die himmlischen Freuden“
(Bearbeitung für Kammerorchester von Erwin Stein)
Helmut Lachenmann: aus:Ein Kinderspiel (Sieben Stücke für Klavier solo)
Songs of innocence:
Billie Holiday/A.Herzog: God Bless the Child
Peter Kreuder: Ich wollt´, ich wär´ein Huhn
Lennon/McCartney: She´s leaving home
Chick Corea: Children Songs |
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Mozart war Komponist UND Instrumentalist – wie ALLE Komponisten seiner Zeit. Mozart interpretierte UND improvisierte – wie ALLE Musiker seiner Zeit. Mozart nahm Stellung zu gesellschaftlichen und politischen Themen, er war unbequem und frech, er lehnte sich auf und kritisierte die bestehende Ordnung.
Er entblößte und karikierte die herrschende Schicht (z.B. im Figaro), er liebte das irdische Leben, das Vergnügen, saß nicht in einem elfenbeinernen Turm sondern stand mitten im Leben. Er war von der Erde, seine Musik vom Himmel.
Ein guter Popsong nimmt Stellung, erzählt eine relevante Geschichte und liefert in wenigen Minuten auf poetische Art ein komplexes, mehrschichtiges Bild. Text und Melodie untrennbar verwoben, singen die Popkünstler des 20. und 21. Jahrhunderts vom Leben und erzählen kleine Geschichten.
Die Oper des 18. Jahrhunderts war „E“- (ernste) und „U“- (unterhaltende) Kunst zugleich. Man musste damals nicht Hoch- von Subkultur trennen. Man müsste das auch heute nicht.
Komponisten nehmen in ihren Werken Stellung. Sind, als Teil ihrer gesellschaftlichen, politischen und sozialen Umgebung und inmitten des täglichen Geschehens, hundertfachen Einflüssen ausgesetzt die sie, bewusst oder unbewusst, in ihren Werken spiegeln. Die hörbar werden, der jeweiligen Zeit und ihren Lebensumständen Ausdruck verleihen.
Mozart ist alles in einem. Ernst und unterhaltend, Stellung beziehend und hermetisch, himmlisch und irdisch, kristallin und verspielt.
Jedes dieser 4 Programme befasst sich als Thema mit einem Schlagwort, welches unzertrennlich mit Mozart verbunden ist. Sozusagen mit „Labels“ der „Marke“ Mozart. Ausgehend von dieser programmatischen Überschrift gestalten sich die Abende als vielfältige Reise zu mit Mozart verknüpften Themen und Figuren. Zum einen mittels thematisch adäquater Kompositionen von Klassikern der Moderne und zeitgenössischen Komponisten, zum anderen mittels einer Auswahl inhaltlich ebenfalls abgestimmter Songs der Popmusik und des Jazz. Als Beschwörung des zu Mozarts Zeiten fließenden Übergangs von E zu U und der damals selbstverständlichen Fähigkeit jedes Musikausübenden, in spezifischen Kontexten zu improvisieren.
Als „Bindemittel“ fungieren jeweils LOOPS, sich wiederholende, kurze Schleifen, die, vom Orchester live gespielt, von mir aus zentralen Passagen des titelgebenden Werks Mozarts extrahiert wurden. In ihrer leichten Verfremdung jedoch und aus dem ursprünglichen Kontext gebrochen, werden sie zu nebelhaften Schatten des Genies und zur harmonisch-melodischen Improvisationsgrundlage des Jazz-Solisten Wolfgang Muthspiel. Die Auswahl eines Jazzgitarristen als zentralem Spieler beruht auf dem Gedanken, dass zum einen die Gitarre DAS Populärinstrument des 20. Jahrhunderts schlechthin ist, zum anderen der Jazz als Verschmelzung von Tradition, Moderne und Improvisation wie keine andere Musikrichtung U und E gleichzeitig repräsentiert. Ein in den USA groß gewordener europäischer Jazzsolist tritt mit Songs von Sting, Prince, den Beatles, den Rolling Stones, Thelonious Monk, Billie Holiday und anderen somit improvisierend in einen sensitiven Dialog mit Mozart und Orchesterwerken des 20. Jahrhunderts.
Songs und Orchesterstücke werden teilweise direkt, teilweise mittels Mozart-Loops aneinandergefügt. Eine größere Form, eine übergeordnete Einheit soll entstehen um Verbindendes und Trennendes, Harmonien und Kontraste unvermittelt erleben zu können. |