LISETTE SPINNLER
Diese junge Schweizerin eine Sängerin zu nennen, wäre eine glatte Untertreibung. Lisette Spinnler, die an der Basler Musikhochschule Jazzgesang unterrichtet, beschwört mit lautmalerischen Silbenfolgen zauberhafte Stimmungen, lässt ganz dezent alpenländische Folklore anklingen, kann aber auch wie eine große Jazz-Lady über swingendem Fundament phänomenal phrasieren.
Das begleitende Quartett Siawaloma (Tenorsax, Piano, Bass, Drums) stachelt diese markante Stimme zu größtmöglicher Intensität an. Ein Erlebnis.
Stereoplay (02/2010)
Lisette Spinnler brachte mit ihrem Quintett Siawaloma zwar afrikanisch getönte
Passagen auf die Bühne, spannte den Bogen jedoch viel weiter. Die grösste
Trumpfkarte der quirligen Frau mit der wendigen, klaren Stimme ist ihr Vermögen,
ungewöhnlichen Scatgesang zu zaubern. Verspielt produziert sie Vokallinien in einer
scheinbar imaginären Sprache, untermalt sie mit flatternder Hand, gleitet aber auch
ins Gesprochene rüber, haucht, schnalzt. Die Band folgt ihr durch Standards wie
Hancocks «Maiden Voyage» und Dave Hollands «Mazad», zaubert in einem türkischen
Volkslied eine weitgeschwungene, von Flöte durchwirkte Dramaturgie. Spinnlers
Afrika-Adaption ist eher unterschwellig zu spüren – in fiebrigen Bassriffs oder
meditativ-verträumtem Nachzeichnen einer Landschaft.
Stefan Franzen, Basler Zeitung (05/2009)
Lisette Spinnler ist deshalb eine so besondere Sängerin, weil sie eine «kindliche»
Frische, Direktheit, gelegentlich Ausgelassenheit, jedenfalls aber Natürlichkeit mit einem erstaunlichen Raffinement, einer höchst kunstvollen Modulationsfähigkeit
verbindet. (…) Im Gegensatz zu den vielen «Chantoussies» der Branche, Glamour-Girls, in deren Rücken die blasseste Rhythmusgruppe die beste ist, versteht sie sich als Kollegin unter Kollegen, als Improvisatorin unter Improvisatoren.
Peter Rüedi, Weltwoche
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